Der Rücktritt (2014)

Der Rücktritt (2014)

Der Rücktritt

Der Rücktritt (AT: Affäre Wulff, R: Thomas Schadt, DE 2014, 100min)

Ampel - Grün

Ich habe mich in meinen Ämtern stets rechtlich korrekt verhalten. 
(Christian Wulff)

Die Tage des Bundespräsidenten sind gezählt. Als Christian Wullf der BILD-Zeitung auf ihrem Anrufbeantworter den Krieg erklärte, schießt diese aus allen Rohren zurück. Ungereimtheiten hat es gegeben, bei Krediten und Urlauben im Umfeld Wullfs, immer neue Details werden ans Licht gezogen, immer weiter erhärtet sich der Verdacht der Vorteilsnahme, immer größer wird der Druck auf Amt und Person. Die letzten achtundsechsig Tage als deutsches Staatsoberhaupt haben begonnen.

Ruhig, distanziert, fast dokumentarisch inszeniert. Er reißt nicht mit, er emotionalisiert nicht. Er ist wie sein Protagonist, kühl und unnahbar. Und das passt. Die Handlung hangelt sich an den Fakten entlang, erzählt von der gnadenlosen Macht der Medien und des Axel-Springer-Verlags, von dem vielleicht größten Skandal des Bundespräsidenten, erzählt die Wahrheit. Zumindest eine Sichtweise auf die Wahrheit. Denn auch wenn der Stil, garniert mit zahlreichen Schnippeln aus TV-Nachrichten und Originalaufnahmen, Glaubwürdigkeit vorgaukelt, kommt der Zuschauer nicht umhin, eine enorm einseitige Darstellung zu bemerken. Die BILD-Journalisten sitzen in rauchigen Hinterzimmern, die dem Film-noir alle Ehre machen, der schmierige Charakter ihrer Vorgesetzten ist nicht nur an der schleimigen Gelfrisur zu erkennen, für Skandal und Profit wird der Bundespräsident belogen, in Fallen gelockt. Er selbst ist lediglich das leicht sture und naive Opfer in der ganzen Geschichte.

Von der schwarz-weißen Rollenverteilung einmal abgesehen, verhindert aber auch die Inszenierung einen richtig guten Film. Die Handlung ist nicht gut, nicht spannend genug um allein zu fesseln, mit dem Entschluss dem Zuschauer keinen emotionalen Anhaltspunkt, keine Atmosphäre oder Identifikationsfiguren zu präsentieren, provoziert man ein sehr trockenes Gesamtwerk, das einige Längen aufweist.

Handwerklich ist das alles auf einem relativ hohen Niveau. Die Schauspieler sind solide, die Musik arbeitet dezent im Hintergrund, die Maske verwandelte Wiesinger und Kling in gute Ebenbilder des ehemaligen Präsidentenpaares. Auch biedert der Film nicht sich selbst dem Zuschauer an, möchte um jeden Preis gefallen. Er hält sich zu weiten Teilen an die realen Ereignisse, erfindet nichts, dramatisiert wenig. Dass die Vorlage kaum das Zeug für einen zugleich seriösen und hochspannenden Thriller oder Polit-Drama bietet, ist aber offenkundig.

Das Prädikat ‚interessant‘ trifft wohl den Nagel auf den Kopf. Der Film ist weder gut noch schlecht, er kann den Zuschauer an der Stange halten, aber nicht fesseln, er langweilt nicht und ist doch lang.

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