WTF: Artemisia I. (300: Rise of an Empire)

WTF - Artemisia 2

Anmerkung: Dieser Text ist ein kurzer historischer Abriss rund um die Ereignisse von 300 sowie 300: Rise of an Empire und wurde vor der Sichtung des Films erstellt. Er enthält also Spoiler der historisch korrekten Handlungsstränge in beiden Filmen und geht lediglich auf die historische Person von Artemisia I. ein – nicht jedoch auf die Hintergrundgeschichte des fiktiven Charakters.

Artemisia die Erste, Truppenführerin vor Artemision und Salamis, verkörpert von der hypnotisch und unheimlich schönen Eva Green in 300: Rise Of An Empire. Wer war diese Frau, die skrupellos die eigenen Schiffe versenkte und den gottgleichen Xerxes manipulierte?

Zu jener Zeit besaßen die Perser ein gigantisches Weltreich, in kultureller, wie militärischer und wirtschaftlicher Blüte. Griechenland hingegen, wenn auch vor allem kulturell enorm weit, war kaum mehr als ein Flickenteppich zahlreicher eigenständiger Stadtstaaten, den Poleis, dominiert von den militärisch starken Spartanern und den enorm reichen Athenern. Um 499 v. Chr. planten solche griechischen Staaten, die in Kleinasien unter persischer Herrschaft standen, den sogenannten Ionischen Aufstand gegen das Perserreich – der Auftakt zum 1. Perserkrieg. Die Aufstände währten jedoch nicht lange und wurden blutig niedergeschlagen, Millet, der Ursprungsherd, komplett zerstört. Während jedoch die anderen Staaten geschont und wieder ins Reich eingegliedert werden sollten, plante Dareios I., damals persischer Großkönig die Ausweitung seines Reiches nach Zentraleuropa und eine Strafexpedition gegen das mitinvolvierte Athen. Erst bei der berühmten Schlacht bei Marathon 490 v. Chr. konnte er gestoppt werden. Ein Erfolg, der nicht nur eine längere Friedensperiode, wobei der Begriff länger natürlich sehr relativ ist, hervorrief, sondern auch der athenischen Demokratie wichtige Schübe verlieh. Das Flottenprogramm des Themistokles wäre hierbei zu nennen.

Indes war für die Perser die Niederlage keineswegs so groß, wie für die Griechen der Sieg, war es ihnen doch gelungen ihr Einflussgebiet auf die ägäischen Inseln auszudehnen. Jedoch konnte der Widerstand vom griechischen Festland nicht dauerhaft toleriert werden und so rüstete Dareios Nachfolger, Xerxes (486 v. Chr. an die Macht gekommen) für einen erneuten Feldzug. Hunderttausend Mann und sechshundert Schiffe versammelte der Perserkönig 481 v. Chr. in Kleinasien, ehe er Gesandte zu den griechischen Stadtstaaten schickte, mit der Aufforderung zur Kapitulation – nur gen Athen und Sparta fuhr kein Bote, da man von deren Widerstand überzeugt war. Viele Griechen folgten dem Ruf oder wahrten zumindest Neutralität, es waren lediglich 30 Poleis, die sich den Persern widersetzten und unter spartanischer Führung zum Hellenenbund zusammenschlossen.

Es war eine riesige Übermacht, der sich die Griechen gegenübersahen, ein Heer, welches in dieser Größe wohl nie zuvor zusammenkam. Die erste Verteidigungslinie stellte sich unter der Führung des spartanischen Königs Leonidas an einem Engpass bei den Thermopylen auf, die griechische Flotte unter Themistokles sollte die Perser am Kap von Artemision abfangen.

Die Aufgabe der Flotte war es dabei, nicht nur die persischen Schiffe zu versenken, sondern vor allem Leonidas Soldaten zu decken. Eine schwere Aufgabe, waren doch die persischen Boote in Zahl hoch überlegen. Doch das Glück, oder Poseidon, war den Hellenen gewogen und zahlreiche Perserschiffe wurden durch Stürme und hohen Seegang zerstört.

Diese Schlacht stellte das erste Erscheinen Artemisias I. dar – und es sollte eine Niederlage werden. Die Griechen konnten das Schlachtfeld nach harten, mehrtägigen Kämpfen behaupten und die persischen Angriffswellen ein ums andere Mal zurückschlagen. Doch als Leonidas und seine Männer fielen, da war auch die Stellung Themistokles nicht mehr zu verteidigen und er musste seine Schiffe zurückziehen.

Obwohl sie siegreich waren, mussten sie tatenlos zusehen, wie Mittelgriechenland offen stand, wie Xerxes gen Athen zog und die, zuvor durch weitsichtige Griechen geräumte, Stadt plünderte und bis auf ihre Grundfesten niederbrannte. Übrigens, das steht jedoch auf einem anderen Blatt, sollte diese Zerstörung Alexander dem Großen rund 150 Jahre später die Legitimation, oder zumindest den gewünschten Vorwand, für seinen Feldzug bis nach Indien liefern. Aber die griechische Flottille war noch intakt und sammelte sich vor Salamis.

Und hier begann die Sternstunde der Artemisia, hier sollte sie den Ruhm ernten, der die Zeit überdauerte. Hatte sie zuvor noch lediglich die Herrschaft über ihre Heimatstadt Halikarnassos und einiger kleiner Inseln inne, stieg sie nun zu einer wichtigen Beraterin des Großkönigs persönlich auf – zumindest behauptet das Herodot, einer der bedeutendsten antiken Geschichtsschreiber und Blutsverwandter von ihr. Sie soll den Gottkönig gewarnt haben, sich nicht auf die Schlacht einzulassen, statt das offene Gefecht zu suchen den Feind zu belagern und auszuhungern. Doch ihr Rat wurde ignoriert, nur wenige Wochen nach Artemisias folgte die Schlacht von Salamis – und die entscheidende Niederlage.

Salamis war ein taktisches Meisterstück des Themistokles, der geschickt die verstrittenen Griechen einte, mittels einer Liste die halbe persische Flotte vom Schlachtgeschehen fortlockte und die verbliebenen Gegner so in die Zange nahm, dass sie ihre Überlegenheit nicht ausspielen konnten. Der griechische Sieg schien unabwendbar, der Großkönig befahl bereits den Rückzug, da kam auch das Schiff von Artemisia in Bedrängnis.

Ein gigantisches Kopfgeld war auf sie ausgesetzt, niemand entkam den griechischen Trieren, da entschied sie sich zu einer skrupellosen List, die ihres gleichen sucht. Die persische Flagge ließ sie lichten und ihrem Steuermann befahl sie auf ein verbündetes Schiff zuzuhalten – und dieses zu versenken. Die sie verfolgenden Griechen, das eigentlich feindliche Schiff aufgrund ihres Angriffs für einen Freund haltend, brachen die Jagd ab und Artemisia konnte entkommen. Es ist wohl diese Tat, die sie berühmt werden ließ, dieser Moment, der sie für Zack Snyder als neuen Bösewicht interessant werden ließ.

Es war ihre Skrupellosigkeit, die sie höchste Ehrungen erlangen ließ. Die ihr half den Krieg zu überleben. Die ihr schließlich Unsterblichkeit bescherte.

Quellen: v.a. Gehrke/ Schneider (Hrsg.): Geschichte der Antike. Stuttgart 2010; Der Neue Pauly; Kytzler: Frauen der Antike. Düsseldorf 2010.

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