Die Kunst zu gewinnen – Moneyball (2011)

Moneyball (2011)

Die Kunst zu gewinnen – Moneyball

Moneyball (R: Bennett Miller, US 2011, 133min)

 Ampel - Grün

You get on base, we win. You don't, we lose. And I hate losing, Chavy. I hate it. 
I hate losing more than I even wanna win.
 (Billy Beane)

Der Zauber vom Baseball. Wie oft beschwört Brad Pitt ihn? Und doch wird nichts magisches gezeigt, nichts übernatürliches oder fantastisches. Viel mehr ist das gezeigte kalt und kompromisslos. Spieler werden wie Obst über die Waage gezogen, kurz gemessen und innerhalb von Minuten, manchmal auch nur Sekunden, verkauft. Oft nicht einmal wegen sportlichen Gründen, sondern einzig und allein wegen Politik und Macht. Im Nicht-Baseball-Fan oder -Interessiertem wird so keine Begeisterung entfacht und eben für jene Zuschauer kranken auch die Szenen auf dem grünen Rasen etwas. Die wenigen tatsächlich gezeigten Spielsequenzen sind zwar solide inszeniert, aber meilenweit entfernt von einer Dramatik wie sie etwa in Oliver Sones Any Given Sunday erreicht wird.

Ob sich Regisseur Bennett Miller dieser Problematik bewusst gewesen ist oder ob eine tatsächliche Marotte des real existierenden Managers Billy Beane war, der Film weicht durch geschicktes fokussieren auf Brad Pitt dem Geschehen auf dem Platz aus. Pitt zittert am Radio mit, Pitt fiebert während der Autofahrt mit, Pitt leidet während Telefonaten. Aber er sieht genauso wenig wie der Zuschauer und verhindert einen überproportionalen Anstieg des sportlastigen Teils.

Gewissermaßen ist Moneyball dann auch kein Sportfilm. Die Protagonisten sind nicht die Spieler, sondern der Manager und sein Helfer. Nicht von Heldentaten auf dem Platz wird erzählt, sondern von einer stillen Revolution in den Katakomben. Und hier in den schattigen Plätzen fernab der Scheinwerfer liegt der starke Teil begraben. Die Verhandlungen und Transgergeschäfte von Beane wirken authentisch, die schnellen und pointierten Dialoge geben dem Film seine Würze, die Charaktere, v.a. der von Beane, sind tief und glaubwürdig gezeichnet, driften aber zu keiner Zeit in klischeehafte Muster ab. Bei vielen Charakteren liegt das allerdings auch schlicht und ergreifend an der stark beschnittenen Spielzeit. Ohne jeden Zweifel ist die erzählte Geschichte die von Billy Beane, dem ehrgeizigen Manager der Oakland A´s.

Und Brad Pitt spielt diesen schlicht und ergreifend großartig. Er hat eine so natürliche und lockere Präsenz, die ohne jeden Zweifel ihn als Chef erkannt werden lässt, die jede Einstellung dominiert, ohne aber seinen prominenten Nebendarstellern das Wasser abzugraben. Jonah Hill sei hier noch hervorzuheben, der zwar ebenfalls grandios spielte und anders als Pitt nicht nur für die höchste Filmehrung nominiert wurde, sondern den Oscar für den besten Nebendarsteller auch gewann. Auch wenn er eigentlich für solch eine Auszeichnung zu wenig Screentime bekam und die Konkurrenz zu stark war.

Die wenigen mittelmäßigen Sportszenen in Die Kunst zu gewinnen – Moneyball werden dank eines groß aufspielenden Brad Pitt und tollem Drehbuch, sowie der interessanten Geschichte problemlos kaschiert. Eine über zweistündige Einführung in die Statistiken hinter Baseball – spannend und unterhaltsam inszeniert.

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