Captain America 2: The Return of the First Avenger (2014)

Captain America 2 (2014)

Captain America 2: The Return of the First Avenger

Captain America: The Winter Soldier (R: Anthony und Joe Russo, US 2014, 136min)

Ampel - Grün

You need to keep both eyes open!
(Nick Fury)

Was zu erst auffällt: die erneute Genialität des deutschen Verleihs. Den Mangel an Popularität, den der äußerst patriotische (und in seinem Ursprung nicht unerheblich propagandistisch angelegte) Captain in deutschen Gefilden mit sich trägt wird durch die Erwähnung der Avenger-Initiative, welche dank Joss Whedons Milliarden-Erfolg durchaus auch hier Bekanntheit erlangte, ausgeglichen. Dass jedoch wohl jeder Besucher von The Avengers auch mit Captain America zumindest ansatzweise vertraut sein dürfte, wird übersehen. Ebenso wie mittlerweile die sinnhaft eher limitierte Methode populär wurde, einen englischen Originaltitel durch einen ebenfalls englischen, und oftmals sperrigen, ‚deutschen‘ Verleihtitel zu ersetzen.

Die gute Nachricht ist jedoch: Dies ist bereits der größte Fauxpas. Denn der restliche Film macht Spaß. Denn Captain America tritt dieses mal nicht gegen Nazis, nordische Götter oder außerirdische Lebensformen an, er muss gegen einen verborgenen, gegen einen unsichtbaren und intriganten Feind ankommen. Und auch mit sich selbst hat er zu ringen.

Die Welt hat sich in den vergangenen gut 70 Jahren stark verändert – und der Captain seinen Platz verloren. Zum Selbsthilfe-Melodram mutiert die Geschichte nicht, viel mehr legt er ein enorm hohes Tempo vor, Action-Szene wird an Action-Szene gereiht, und doch schlagen erstaunlich ernste Töne an. Steve Rogers, in den Avengers und in seinem ersten Solo-Auftritt noch als moralische Instanz etabliert, sieht hier seine Prinzipien ins Wanken geraten. Ein Konflikt zwischen dem Captain und S.H.I.E.L.D. bahnt sich an, die Frage zum Verhältnis von Zweck und Mittel. Nur das Richtige zu tun scheint nicht auszureichen, vor allem mit dem pragmatisch veranlagten (und handelnden) Nick Fury führt dies unweigerlich zu Meinungsverschiedenheiten.

Konsequenz hieraus ist, dass das Drehbuch-Team praktisch gar keine andere Wahl hatte als den Charakteren Tiefgang zu verleihen. Zeichnete der Vorgänger mit dem 2. Weltkrieg-Setting noch eine scharfte Trennlinie zwischen Gut und Böse, wird die Lage deutlich komplizierter. Es ist nicht mehr einfach der heldenhafte Amerikaner, der über den Atlantik fliegt um das deutsche Volk befreit und den diabolischen Nazi ausschaltet, plötzlich ist er ganz nah, mitten in der vermeintlich freien Heimat – und in Machtpositionen. Und wenn nicht mehr einfach zwischen Freund und Feind unterschieden werden kann, kommen zwangsläufig andere, verborgene Seiten ans Tageslicht.

Aber es ist nicht nur der Captain, der auf einmal zwischen die Fronten gerät, auch sein Gegenüber trägt unter der Maske die ein oder andere zusätzliche Schicht. Dem Winter Soldier fehlt die Lächerlichkeit des Red Skull vollkommen, er verfügt über das Charisma und die Fähigkeiten um einen ebenbürtigen Antagonisten darzustellen, zudem bleibt er mysteriös und seine Hintergrundgeschichte, wenn auch etwas unglaubwürdig, ist interessant.

Ein Spiegelbild der Progatonisten ist der Stil, die filmische Umsetzung der Story. Nicht nur die Protagonisten sind dunkler, härter, auch die Action-Szenen erinnern stellenweise an Filme wie Taken (2009) oder Looper (2012). So konsequent, so nah an dem Wörtchen „brutal“ war schon lange keine Comicadaption mehr.

Trotzdem, obwohl der Film zweifelsohne seine Qualitäten hat und kurzweilige Unterhaltung bietet, ist er dennoch lediglich ein weiteres Heldenfilmchen. Tiefere Charaktere und die ansatzweise und gelungen vorhandene Sozialkritik können nur begrenzt über die relativ dünne Story hinwegtäuschen. Zu viel läuft nach Schema F ab, der letzte Funke fehlt, um die Begeisterung entgültig zu entfachen. Viele der positiven Punkte sind in Relation zu sehen, in Relation zum extrem mäßigen Vorgänger, zu den anderen Vertretern seines Genres.

Captain Americas zweiter Ausflug hebt sich ab von der breiten Maße an Comicverfilmungen, er bietet tolle Action mit bombastischen Effekten, eine solide Story und interessante Charaktere. Pop-Corn-Kino in Perfektion.

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5 Kommentare zu “Captain America 2: The Return of the First Avenger (2014)”

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