The Road (2009)

The Road (2009)

Anmerkung: Hier gibt es eine neuere, überarbeitete Version dieser Rezension.

The Road

The Road (R: John Hillcoat, US 2009, 112min)

Ampel - Grün

God wouldn't know what... God wouldn't know what he knows. 
If there is a God up there, he would have turned his back 
on us by now. And whoever made humanity will find no 
humanity here. No, sir. No, sir. So beware. Beware.
(Old Man)

Die Uhren blieben um ein Uhr siebzehn stehen. Es gab einen langen, grellen Lichtstrahl, gefolgt von einer Reihe schwacher Erschütterungen. Ich glaube es ist Oktober, aber sicher bin ich nicht. Ich führe schon seit Jahren keinen Kalender mehr. Jeder Tag ist grauer als der vorherige. Es ist kalt und es wird immer kälter, während die Erde langsam stirbt. Kein Tier hat überlebt, die Ernte ist schon lange verfault. Früher oder später werden alle Bäume umstürzen.

Es sind mit die ersten Worte in Hillcoats Verfilmung des gleichnamigen Romans von Cormac McCarthy, die den Film in seiner Gänze treffend beschreiben. Die Welt ist zerstört, die Zivilisation ausgelöscht, die Menschheit am Rande des Abgrunds. Die wenigen Überlebenden streifen in kleinen Banden oder alleine umher, immer auf der Suche nach Nahrung, verzweifelt an die pure Existenz geklammert. In dieser postapokalyptischen Welt zieht auch Viggo Mortensen gemeinsam mit seinem Sohn umher, immer nach Süden, versucht sich bis zur Küste durchschlagen zu können. Everything depends on reaching the coast.

The Road ist auf eine eigentümliche Art brutal und gewalttätig. Nicht durch exzessive Darstellung von Gewalt, diese wird meist nur angedeutet, meist nur aus der Ferne beobachtet, viel mehr durch einen gnadenlosen Realismus, durch eine hoffnungslos depressive Atmosphäre. Entsätigte Farben und verlassene Landschaften prägen das Bild, immer wieder fängt Hillcoats Team grandiose Panorama-Aufnahmen der zerstörten Umwelt. Der Mensch verliert sich im Bild, er wird von ihm erdrückt, kommt kaum noch zur Geltung. Nicht mehr der Mensch ist es, der die Welt bestimmen und domestizieren kann, er wird zum Sklaven der Umstände, heimat- und ziellose, schutzlos ausgeliefert. Nicht der kleinste Zweifel wird offen gelassen: Diese Welt ist verdammt. Umso bedrückender wirken die Aufnahmen, wenn man weiß, dass es sich um nahezu unveränderte Originalschauplätze handelt.

Die ruhige Gangart des Films lässt nachdenklich stimmen, wirft Fragen auf. Wie würde sich jeder einzelne in einer solch zerstörerischen Gegend verhalten? Wie lange bleibt der Mensch ein Mensch, hebt gewisse, durch die Gesellschaft indoktrinierte moralische Prinzipien hoch, ehe er sich dem nackten Überlebenskampf stellt? Wie lange wagt er zu hoffen? Der Tod ist allgegenwärtig, wird stellenweise sogar zum Ausweg, zur Rettung. Schnell und hektisch wird The Road nur selten – dann allerdings richtig.

Es ist vor allem ein starker Film, der über die Atmosphäre und sehr gute Darsteller agiert. Mortensen gelingt es hervorragend den Film zu tragen, auch Kodi Smit-McPhee erfüllt seine Rolle, auch wenn er sich nicht in den Vordergrund spielen kann. In einer kleinen Nebenrolle kann vor allem Robert Duvall glänzen, auch Guy Pearce und Charlize Theron geben sich die Ehre.

Allerdings merkt man The Road die Buchvorlage, an der sich der Film sehr eng orientiert, auch an. Zuweilen fehlt die Spannung, das Ziel, es ist eine unkonventionelle Dramaturgie, die nicht permanent mitreißt. Sobald die Atmosphäre aufhört zu packen, spürt man die Dauer des Streifens deutlich. Unter dem Strich ist die Handlung sehr ereignisarm, vieles soll über die Stimmung gelöst werden.

The Road ist ein ungewöhnlich ruhiger Endzeit-Film, mit sehr guten Darstellern und einer starken, depressiven Atmosphäre und einem hohen Grad an Realismus, der definitiv sehenswert ist.

 

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5 Kommentare zu “The Road (2009)”

    1. wenn man dann noch bedenkt, was da noch alles rausgeschnitten bzw. gar nicht erst übernommen wurde… gerade die Kannibalen-Thematik ist schon sehr heftig

  1. Wenn man nur schon an den Film denkt überkommt einen diese depressive Grundstimmung. Starker Film, den man sich allerdings auch nicht zu oft ansehen kann- völlig egal, wie gut er auch gemacht sein mag.

    1. Ich hab ne Hausarbeit über ihn geschrieben und ihn mir in den letzten drei Wochen vier oder fünf mal reingezogen 😀 ganz übler stimmungskiller… da ist man gleich doppelt froh, wenn man die los ist :p

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