Blogparade: Bücher, die nach einer Verfilmung schreien

“A reader lives a thousand lives before he dies, said Jojen. 
The man who never reads lives only one.”
(George R. R. Martin)

Was ist denn ein gutes Buch anderes, als eine geführte Meditation, als eine Erzählung auf dem hochauflösensten Medium: der Phantasie? Wer liest, der starrt nicht auf kryptische Zeichen, er blickt nicht auf das Papier, sondern hindurch, auf eine andere Welt, auf entfernte Wesen und Figuren, in fremde Zeiten und große Abenteuer. Das Buch ist das Tor in eine andere Dimension, die uns alles liefern kann, was wir wollen. Das Buch ist der große und der kleine Bruder des Filmes, dessen starker Vater und der gehütete Zögling, es hebt Grenzen auf und kann an diese binden, es ist das ultimative Werkzeug zur Selbstverwirklichung, zum eigenen Ich.

Bücher gibt es, wie Filme, wie Sand am Meer, in allen Facetten, in allen Formen und Gestalten. Schandliteratur zum Genuß zwischendurch, große Klassiker, fesselnde Reportagen oder Quellen zu vierzehntausend Jahren menschlicher Zivilisation. Was mich fesselt, ist vor allem das narrative, in gedruckter wie in cineastischer Form. Große Geschichten, großer Helden! Schlopsi lud zu einer von Ma-Go Filmtipps ins Leben gerufenen Blogparade ein, drei Bücher, die wie für die große Leinwand geschaffen wurden, zu benennen – eine Aufgabe der Unmöglichkeit!

Daher erdreiste ich mich, die Aufgabenstellung zu erweitern und nenne fünf Bücher, die in Film- oder Serienform sicher meine Begeisterung wecken würden! Und, um ein wenig Abwechslung zu bringen, verzichte ich auf die Nennung von Rick Yanceys Monstrumologen (der einen herrlichen und intelligenten FSK18 Harry Potter abgeben könnte; apropos Harry Potter: hätte in Serienform durchaus etwas 😉 ) oder Joe Abercrombies Gesamtwerk (das hoffentlich unmittelbar vor dem Game of Thrones Ende als Serie in Angriff genommen wird, da ich diese brutale und realistische Fantasy nicht mehr missen möchte).

1. Christoph Hardebusch – Die Trolle

Es gab eine Zeit, da überschwemmte Heyne und Piper den Buchmarkt mit einer Reihe unkreativer Titel. Die Orks, Die Zwerge, Die Elfen und wie sie sonst noch alle heißen. Mein persönlicher Favorit waren Die Trolle. In Wlachkis herrscht ein doppelter Bürgerkrieg. Eine kleine Gruppe Rebellen wehrt sich gegen die Usurpatoren, die ihr Land seit zweihundert Jahren besetzt halten und erhalten überraschende Hilfe von unter der Erde, wo ein Trupp Trolle sich auf den Weg machte, um Hilfe zu holen und den eigenen Stamm zu retten.

Die Buchreihe, inzwischen aus fünf Bänden bestehend, bietet durch riesige Schlachtszenen Potential für beeindruckende Bilder, verfügt zudem, sehr fantasytypisch, über eine zusammengewürfelte Heldengruppe, die durch ihre große Verschiedenheit diverse gruppendynamische Probleme durchleben. Mit entsprechendem Budget und begabten Leuten am Set traue ich dem Stoff eine Herr der Ringe-ähnliche Umsetzung zu (die den Hobbit problemlos um Welten schlagen würde…), mit einer neuen Perspektive, da eine Reihe blutrünstiger Ungeheuer in den Mittelpunkt rückt.

2. Robert Harris – Vaterland

Wir schreiben das Jahr 1964, Adolf Hitler hat den Zweiten Weltkrieg gewonnen, das Deutsche Reich erstreckt sich über ganz Europa, die Amerikaner sind um bessere diplomatische Beziehungen bemüht, im Kaukasus wird noch gekämpft. Die Handlung folgt dem Kripo-Sturmbannführer Xaver March, der den Mord an Joseph Bühler untersuchen soll und dabei die Geheimnisse um eine gewisse Konferenz aufzudecken beginnt.

Zugegeben, die Handlung ist nichts besonderes, fast schon langweilig. Allerdings gelingt es Harris durch ein gnadenlos realistisches kontrafaktisches Setting eine so beklemmende und depressive Atmosphäre zu erschaffen, dass man den Schrecken von Hitler-Deutschland am eigenen Leib spüren kann! Und ja, es gibt bereits eine (wie ich hörte nur mäßig gelungene) Verfilmung, allerdings bietet sich meiner Meinung nach gerade hier eine Serie viel eher an, da viel eher ihr lokaler und temporaler Rahmen den Reiz ausmacht, als die tatsächliche Handlung und so viel mehr Einzelschicksale erzählt werden könnten.

3. Robert Harris – Cicero-Trilogie

Wieder Robert Harris, vermutlich mein Lieblingsauthor abseits der phantastischen Erzählungen. In Imperium erzählt er von Ciceros Aufstieg, Lustrum von seiner Zeit an der Macht, der hoffentlich bald kommende dritte Teil vermutlich von seinem Fall. Robert Harris ist ein Historiker und begandeter Erzähler, der auf Grundlage wahrer Ereignisse spannende und realitätsnahe Geschichten erzählt.

Der Stoff würde meiner Meinung nach sowohl im Serienformat, als eine Art House of Cards in der Antike ebenso gut, wenn nicht gar etwas besser, funktionieren als er es als Politthriller tun würde. Durch Setting und Genre besäße es ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber anderen Werke, eine solche Kombination ist mir persönlich nicht bekannt (wenn man einmal von Rom, welches aber weniger politisch funktioniert, absieht).

4. Timothy Zahn – Thrawn Trilogie

Wird bis in alle Ewigkeit ein unerfüllter Traum tausender Star Wars Fans bleiben. Fünf Jahre nach Die Rückkehr der Jedi-Ritter versammelt der geniale Großadmiral Thrawn die Reste der imperialen Flotte und bringt die noch junge Neue Republik an den Rande der Vernichtung. Inoffiziel galten die Bücher beinahe schon als Episode 7-9, eine solche Popularität erreichten sie, nicht wenige hofften nach der Ankündigung der neuen Filme durch Disney, das man sich diesem Stoff annähme – meiner Meinung nach aber aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Protagonisten ein unmögliches Unterfangen.

Alternativ aus dem Star Wars Universum das großartige Labyrinth des Bösen (ein Klonkriegs-Roman, bei dem die Jagd auf Darth Sidious zentral ist und der unmittelbar vor Episode 3 endet) oder Shatterpoint (der möglicherweise brutalste Star Wars Roman, mit Mace Windu auf der Suche nach seiner ehemaligen Schülerin auf einem unwirtlichen Dschungel-Planet).

Oder aber von Timothy Zahn die Eroberer-Trilogie, die von einem galaktischen Krieg zweier Rassen erzählt und die einige tolle Wendungen aufweist. Gewissermaßen eine Art Avatar in komplex und weniger billig.

5. Jonathan Stroud – Bartimäus

Die regierende Oberschicht der Bevölkerung besteht aus Zauberern, Menschen, die in der Lage sind Dämonen zu beschwören und zu kontrollieren. Nathanael, ein sehr junger und überaus begnadeter Zauberlehrling versucht sich an der Beschwörung eines mächtigeren Dschinns – und ihm unterläuft dabei ein folgenreicher Fehler. Den eigenen Tod kann er nur mit einer List verhindern und nun sind beide, Lehrling und Dämon, aneinander gebunden.

Bartimäus ist einer dieser wirklich großartigen Jugendromane, die eine tolle Geschichte mit interessanten und sympathischen Charakteren zu erzählen haben, die (in diesem Fall v.a. durch den Charakter des leicht narzistischen Dämonen Bartimäus) über die nötige Prise Humor verfügen und die dennoch mehr sind als bloße Unterhaltung.

Diese (unterm Strich jetzt tatsächlich 34 Einzel-Romane) auf Celluloid gebannt würden durchaus mein Herz höher schlagen lassen!

Jetzt kommt der schwierige Teil, die Nominierung anderer. Und wie immer, nominiere ich zuerst

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13 Kommentare zu “Blogparade: Bücher, die nach einer Verfilmung schreien”

  1. Welch sympathische Einleitung! Danke für die Teilnahme!
    Mensch, diese Paraden sorgen für so viel interessanten Stoff. Robert Harris reizt mich bspw. schon enorm. Wie du über die Cicero-Trilogie schreibst könnte das tatsächlich eine wertvolle Vorlage sein. Der Trend geht ja wieder zurück zu historischen Stoffen und da es heutzutage schon zum guten Ton gehört etwas derber zu sein, wäre das bestimmt ein Hit.
    Ob ich allerdings eine Gruppe Trolle über einen ganzen Film (oder mehrere Teile) zusehen könnte, bleibt ungewiss. Ein bisschen Eyecandy wäre ganz nett…

    1. danke für die Nominierung 😉
      joa, eine Einleitung nach meinem Geschmack: Da kann man einfach mal nen Haufen Scheiße labern 😀

      stimmt, der Trend gefällt mir auch ziemlich, auch wenn die bisherigen Vertreter (Hercules, Pompeji) eher noch nichts bahnbrechendes waren. Aber der Pilot von Marco Polo war schon ziemlich geil, Black Sails macht Spaß, The Musketeers hat auch ganz gute Kritiken und insgeheim erwarte (oder erhoffe) ich mir noch ne Serie übers alte Ägypten im Stile von Rom
      und Harris kann ich nur empfehlen, von ihm kam u.a. auch The Ghostwriter, der mit McGregor und Pierce verfilmt wurde

      bei den Trollen würde ich dir recht geben, wenn ich mich aber recht erinner (ist schon einige Jahre her, dass ich die Bücher gelesen hab) sind gut 70% aus Sicht von Menschen geschrieben, die eher einen Trupp Trolle begleiten und so wäre man auch nicht so distanziert

      1. Noch ist es halt mehr Popcornkino, aber mal sehen was die Zukunft bringt. Das Interesse ist ja da. Auf „Marco Polo“ freue ich mich schon richtig.

        Das würde es zwar etwas abmildern, wäre aber vermutlich trotzdem noch zu speziell um bei der breiten Masse wohlwollend entgegengenommen zu werden. Aber wer weiß? 😉

    1. hab den Film selber nicht gesehen, hab aber bisher noch nichts gutes über ihn gehört, v.a. das, was ich übers Ende gehört hab und was vom Buch doch deutlich abweicht, gefällt mir überhaupt nicht

      mir ging es bei dem Vorschlag aber weniger um die eher 0815 Geschichte, als viel mehr um das faszinierende Setting, das mMn Stoff für mind. 3 oder 4 Staffeln guter und spannender Geschichten bietet – und das (wenn man denn möchte) auch noch einen pädagogischen Auftrag erfüllen könnte 😀

      1. Meine Sichtung ist, wie gesagt, schon lange her. Vielleicht kommt es demnächst zu einem kleinen Hype, was solche Alternativuniversen angeht: Amazon hat ja sehr erfolgreich „The Man in the High Castle“ von Philip K. Dick verfilmt, was eine ähnliche Geschichte erzählt.

  2. Oh, danke für die Nominierung! 🙂 Ich werde mir Mühe geben nicht nur Mangas zu nennen xD
    Ich freue mich voll, dass noch jemand Abercrombies Trilogie mit Logan Ninefingers und Konsorten cool findet. Die war ziemlich awesome, nur ein bisschen arg negativ. Ein wenig wie Game of Thrones halt, aber scheinbar doch um einiges unbekannter.
    Bartimäus stell ich mir auch vor allem vom Figurendesign sehr spannend vor. Gerade bei Fantasywesen kann man ja ziemlich danebengreifen 😀
    Uuuund Christoph Hardebusch mag ich vom Schreibstil her, auch wenn ich gerade keinen Plan habe, was genau ich von ihm gelesen habe. Die Trolle waren es jedenfalls nicht … hrmm …

    1. kein Ding 😉
      ich find die Bücher einfach nur umwerfend 😀 aber ja, sind schon arg negativ, nachdem ich die gelesen hab, kann ich meistens lange nichts anderes lesen, weil dass dann irgendwie alles so unbefriedigend ist^^
      hast du vom neuesten von ihm, Königsschwur, schon mal gehört? Weißt du, ob das in der gleichen Welt angesiedelt ist?
      stimmt, bei Bartimäus wird es vermutlich auch wegen dem Design sehr schwer, den Tonfall der Bücher zu treffen, da es eben eigentlich schon Jugendbücher sind, aber einige Darstellungen eigentlich eher in die FSK16 oder gar 18 gehen müssten
      nach Die Trolle hat der noch irgendwas mit Werwölfen und die Sturminseln oder sowas geschrieben – auch wenn ich beides nicht gelesen hab

      1. Über das neue Buch weiß ich nix, außer dass es wohl ein Jugendroman ist, also vermutlich wesentlich weniger brutal. Ich muss zugeben, dass ich die drei ersten Bücher genial fand, aber dass ich nach „Best Served Cold“ (im Deutschen glaube ich „Racheklingen“?) dann erstmal keine Lust mehr auf Abercrombie hatte, weil ich das Buch furchtar eintönig fand. Ja, Rache ist doof und macht nicht glücklich, ich hab’s kapiert! 😀 Welche kennst du denn von ihm noch und waren die besser? Oder fandest du das Rachegedöns auch toll? ^^

        Ja und Bartimäus historische Exkurse und das Genörgel einzubauen werden auch schwer. Alle zwei Sekunden eine Rückblende bzw. ein direktes Ansprechen des Lesers? ^^

        Hrmm.. Ich glaube es waren die Werwölfe, kann mich aber grade echt an nichts mehr daraus erinnern. So gut war es anscheinend doch nicht 😀

      2. allein schon die Amazon-Rezensionen hätten mir das auch selbst verraten können… Hab auch genau die vier gelesen, und mir gings sehr ähnlich 😀 The First Law Trilogy fand ich umwerfend, den Best Served Cold ganz okay, auch wenn der sich etwas gezogen hat, weil quasi jede einzelne Station auf ihrem Rachefeldzug das gleiche war. Außerdem hat mir die Entwicklung vom Costa oder wie dieser Söldner hieß nicht so gefallen…
        naja, in House of Cards funktioniert das mit den Zuschaueransprachen auch 😀 und stell dir mal vor, da starrt nicht Spacey in die Kamera, sondern irgend ein komisches, hässliches Dämonen-Vieh 😀 (bzw. wollte er sich nicht im ersten Teil in eine junge Dame unter der Dusche verwandeln? 😛 )
        von den Werwölfen hatte ich mal ne Testseite gelesen, die hat mich aber nicht so gepackt und habs dann mir nicht zugelegt, kommt aber evtl. noch (eigentlich sind Werwölfe mit die Coolsten Fantasy-Kreaturen 😀 )

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