Drive (2011)

Drive (2011)

Drive

Drive (R: Nicolas Winding Refn, US 2011, 101 min)

Ampel - Grün

You give me a time and a place, I give you a five minute window. Anything happens in that five minutes and I'm yours. No matter what. Anything happens a minute either side of that and you're on your own. Do you understand?
 (Driver)

Populär wurde der Film als ein narratives Medium, die Traumfabrik erzählt Geschichten. Dem experimentellen Kunstfilm, trotz bedeutsamer Werke wie Un chien andalou, blieb nur ein Nischenplatz. Trotzdem gibt es immer wieder Filme, die über den Umweg ihren Weg in die Masse finden, die ihre Handlung in den Hintergrund stellen um der Darstellung Vorzug vor Substanz zu gewähren. Stoker war ein solcher Film, Drive ist ein weiterer.

Ryan Gosling, namenloser Protagonist, ist bei Tageslicht Stuntfahrer und Automechaniker, in der Nacht stellt er seine Fähigkeiten als Fluchtfahrer zur Verfügung. Die Beziehung zu seiner Nachbarin, und insbesondere die Rückkehr deren Ehemannes aus dem Gefängnis bringt ihn gefährlich nah an mafiöse Kreise – und in deren Visier.

Kennt man den Beginn des Filmes, so lässt man sich von dessem Ende kaum überraschen. Stringent verläuft er ununterbrochen in eine Richtung, ohne Wendung, ohne Überraschung. Flach und einfach werden auch die Figuren gehalten, insbesondere Irene bleibt uninspiriert und blass, das typische Frauchen, dass gerettet werden will – trotz einer guten Performance von Carey Mulligan. Dieses Paradoxon teilt sie sich mit dem restlichen Cast. Großartige Schauspieler wie Bryan Cranston, Ron Perlman und Albert Brooks geben sich hier die Klinge in die Hand, alle überzeugen mit toller Leistung, all ihre Figuren bleiben Stereotype.

Auf der Spitze steht Ryan Gosling. Eine brilliante schauspielerische Leistung, trotz der Schlichtheit seines Charakters. Ganz in Eastwoodscher Manier gibt er den wortkargen, namenlosen (Anti-)Helden, der nach festen Regeln agiert und zur Not das Gesetz in die eigene Hand nimmt. Gosling gelingt es eine liebevolle und schlichte, ja naive oder kindliche Zärtlichkeit an den Tag zu legen, welche urplötzlich explodiert und sich in barbarischer Brutalität veräußert.

Ohnehin spart Regisseur Nicolas Winding Refn nicht an drastischen Inszenierungen. Gewalt wird in ihrer gnadenlosen und schrecklichen Einfachheit gezeigt, sie wird weder heroisiert noch verteufelt. Sie wird als die Konstante in der Geschichte der Menschheit gezeigt, die sie ist, allgegenwärtig, unübersehbar, unüberwindbar, existent. Kurze, brutale Scharmützel werden gezeigt, ohne ausgefeilte Choreographie oder heldenhaften Moment. Gosling tritt nicht gegen eine Übermacht an, die Action und die Gewalt sind lediglich ständiger Begleiter.

Gekonnt verein Winding Refn großartiges Schauspiel und tolle Kamera, bildet immer wieder Kontraste. Die rasende Kamera trifft auf einen erstarrten, unbeweglichen Gosling, eine nahezu unbewegliche Kamera hält den entfesselten Protagonisten fest – die starke Bildästhetik ist unmöglich übersehbar.

Aus wenigen Worten wird großes Kino. Nicolas Winding Refn erschuf ein nachhaltig begeisterndes Werk mittels unkonventioneller Bildsprache und herausragender Darsteller das vollkommen zurecht schon jetzt am Kultstatus kratzt.

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Ein Kommentar zu “Drive (2011)”

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