Jurassic World (2015)

Jurassic World (2015)

Jurassic World

Jurassic World (R: Colin Trevorrow, US 2015, 125min)

Ampel - Grün

Don't worry. It's gonna be just like taking a walk in the woods... 65 million years ago. 
(Owen)

Ein weiterer Besuch der Isla Nublar, kombiniert mit einem Versprechen: Ein anderer Film, ein neuartiges Schema. Das dieses gebrochen wurde, sei schon einmal vorgeschoben. Die Handlung bleibt vorhersehbar, sie gleicht ihren Vorgängern in nahe jeglichen Aspekten, lediglich in ihrer Präsentation wird erfolgreich Andersartigkeit vorgegaukelt. Doch fehlende Innovationen sind nicht zwangsläufig ein Qualitätsmerkmal. Jurassic World kommt als typischer Sommer-Blockbuster daher, der dem Auge Spektakel, dem Jungen im Mann Dinosaurier und dem Publikum Erinnerungen bietet.

Es ist eine gewisse Nostalgie, die das Kino in den letzten Monaten umfängt, beinahe eine Zeitreise: Mad Max, Terminator, Star Wars, Jurassic Park – die große Leinwand scheint in einer Zeitkapsel gefangen zu sein. Es beinhaltet eine gewisse Ironie, dass, zumindest bislang, ausgerechnet diese Filme frischen Wind in die ansonsten recht eintönig gewordene cineastische Leinwand bringen. Den das schafft auch Jurassic World.

Trevorrows Interpretation des ursprünglich vom Schriftsteller Michael Crichton erdachten Stoffes zielt aufs Herz – und trifft. Er inszeniert eine fantastische Reise in eine mehrere Millionen entfernte Vergangenheit, zugleich ein Abstecher in die Kindheit vieler, entfacht dabei eine deutlich größere Phantastik als jüngere populäre Vertreter des Fantasy-Genres, bei dem sich jedoch auch zwangsläufig der Vergleich zu den Vorgängern aufdrängt. Hier kann Jurassic World bestehen, wenn auch nicht gewinnen, zumindest der erste Teil bleibt unerreicht.

Auch Jurassic World bietet einen prähistorischen Zoo, der durch menschliche Gier aus den Fugen gerissen wird, mit ähnlicher Charakter-Konstellation und zentraler Frage: Was geschieht, wenn der Mensch mit all seiner Technologie auf längst ausgestorbene Urgewalten trifft? Der größte Unterschied dürfte das Pacing sein. Jurassic Park nimmt sich immer wieder Zeit zum Staunen, legt Pausen ein, in denen die Handlung ruht und die Natur vergangener Tage gezeigt wird. Der Zuschauer wird so zum tatsächlichen Besucher des Parks, der betrachtet und beobachtet. Jurassic World rückt die Handlung deutlicher in den Vordergrund, ist eine Geschichte von Verfolgung und Jagd, der nur selten Luft holen lässt.

Ein überaus interessanter Aspekt, in mehrerlei Hinsicht. Einerseits symptomatisch für diverse Entwicklungen des Kinos, den Film immer schneller und spektakulärer werden zu lassen. Zweiundzwanzig Jahre Filmgeschichte Differenz ließen das nahezu gleiche Thema vollkommen anders angegangen werden. Zum anderen aber, da sich Jurassic World dieser Entwicklungen bewusst ist und sie immer wieder thematisiert. So führt Trevorrow eine interessante Meta-Ebene ein, die das zugrunde liegende Konzept immer wieder thematisiert und hinterfragt. Die Kritik der Protagonisten, das Publikum immer wieder mit größeren, bedrohlicheren, mit cooleren Monstern begeistern zu müssen, lässt sich unschwer auf die non-diegetische Welt, auf die Filmindustrie übertragen.

Doch ist der kritisierte Höher-Schneller-Weiter-Virus, der die Filmschaffenden durchgehend infiziert zu haben scheint, nicht das einzige aufgeworfene Thema abseits der Kamera. Zentral ist vor allem eine uralte Forschungs-ethische Frage: Kann und darf der Mensch sich zu Gott aufschwingen? Oder mit den Worten von Dr. Ian Malcolm, die Wissenschaftler „were so preoccupied with whether or not they could that they didn’t stop to think if they should.“

Zwar entzieht sich Jurassic World einer finalen Antwort auf diese Frage, letztlich sind es menschliche Versagen, die die Wissenschaft scheitern lassen, doch die Rolle des Militärs wird als eindeutig negativ dargestellt. Nicht die Wissenschaft um der Wissenschaft oder des humanitären Fortschritts wird als zentrale Motivation gezeigt, sondern perfektionierte Killermaschinen zu erschaffen, das Leben zu kontrollieren und unterjochen. Doch, und erneut wird der Querverweis zu vorherigen Teilen geschlagen, das Leben findet einen Weg.

Überhaupt gelingt die Verknüpfung zu Jurassic Park hervorragend. Immer wieder sind kleine Anspielungen und Anekdoten zu finden, die, einmal von der Hommage an den mit Handfackel fliehenden Jeff Goldblum abgesehen, sich hervorragend einfügen – ein weiterer Treffer mitten ins nostalgische Herz.

So wird Jurassic World zu mehr als nur einem sehr unterhaltsamen Film – er wird zu einer emotionalen Erinnerung, einem nostalgischen Erlebnis. Und einem der besten Kinoerlebnisse des Jahres.

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7 Kommentare zu “Jurassic World (2015)”

  1. Bei mir hat es tatsächlich nur für Durchschnitt gereicht und ich war insgesamt wohl ein wenig enttäuscht – und das gerade weil ich den original „Jurassic Park“ so liebe.

    1. danke 😀
      ich schreib das Wochenende ein wenig was und werde es vermutlich Anfang der übernächsten Woche veröffentlichen lassen 🙂

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