Top 11 der Songmomente in Film und Serie

Filmmusik

(Hinweis: Enthält Spoiler zu 3:10 to Yuma, Battle Star Galactica Staffel 3 Finale, Californication (ich glaube das Finale der 3. Staffel), Herr der Ringe 3, sowie Andeutungen zu Killing them Softly und Scrubs Staffel 5.)

Man nehme einen großartigen Regisseur, eine handvoll begabter Schauspieler, eine spannende Geschichte und einen meisterhaften Komponisten. Man mixe diese Elemente um einen Kult-Western, nennen wir ihn einfach mal Spiel mir das Lied vom Tod, zu erhalten. Anschließend stelle man sich die Sahne auf dieser cineastischen Torte vor, das Prunkstück, ihren Höhepunkt und sieht einen fantastischen Shoot-out, der sich durch lange Einstellungen, minimalistischen und intensivem Schauspiel auszeichnet und mittels grandiosem Score eine atemberaubende Spannung erzeugt. Nun entferne man von obigem Rezept den Musiker und erhalte gähnende Langeweile.

Bilder mögen dem Film seine Form geben, doch die Musik gibt ihm seinen Herzschlag, er diktiert Tempo und Intensität. Nur sehr wenige Ausnahmen verzichten auf begleitende Musik, noch wenigeren gelingt dies (bspw. dem französischem Film Hass) – nicht einmal der Stummfilm wollte sie missen und kompensierte die mangelnden technischen Möglichkeiten mit live-spielenden Orchestern. Betrachtet man dieses Potential der Musik, welche Macht sie über ein ihr fremdes Medium mit gegenteiligen Reizen ausüben kann, so verwundert es wenig, dass nicht nur die alleinige Musik, sondern auch die gesungene Sprache ähnliche Wirkung entfalten kann.

Songs werden deutlich seltener in Film und Serie eingesetzt – und gewinnt dadurch noch einen Seltenheitswert. Immer wieder ertappt sich der Zuschauer, rhythmisch zu den sonst ungeliebten Hip Hop oder Techno-Klängen zu wippen, Lieder auf der Leinwand entwickeln eine gänzlich andere Wirkung als aus dem Radio, sie emotionalisiert stärker, agiert zugleich unbewusst und bewusst.

Schlopsi bat, bei einem von Zirkusmanege in die Runde geworfenem Stöckchen, um die Top11 Songmomente in Film und Serie. Und hier, in alphabetischer Reihenfolge und mit nahezu gar keiner Verzögerung, folgen sie:

3:10 to Yuma – They’ll hang me in the morning

 

Mehr als alles andere ist der Western ein Abbild einer nie vorhandenen Realität von ausgehender Wildnis, der letzte Schritt Richtung Zivilisation, mit romantisierten Vorstellungen von rauen Revolverhelden in noch raueren Umgebungen. Russel Crows Ben Wades bewegt sich exakt auf dieser Grenze zwischen Natur und Kultur, die Ambivalenz seiner Figur kommt in obiger Szene wunderbar zum tragen. Mit vollendeter Höflichkeit bittet er um Ruhe, erträgt gelassen die Provokation, um in der nächsten Einstellung seine Nemesis bestialisch zu ermorden und dessen letzten Gesang mit triumphierenden Zynismus zu wiederholen.

Battlestar Galactica – All along the Watchtower (ab 42:41)

Wiederholtes Motiv, auch in der diegetischen Welt, ist eine Melodie, die vier Protagonisten der verbliebenen Sternenflotte verbindet, die nur sie hören können und die zu einer zentralen Erkenntnis führt. Die dritte Staffel von Battlestar Galactica endet mit einem Knall, der durch die alternativen Klänge verstärkt wird.

Californication – If i go, I’m goin‘

Das männliche Pendant zu Sex an the City ist meist seichte, oberflächliche Unterhaltung, eine Ballung an Fantasien, nicht mehr, nicht weniger. Doch immer wieder offenbart sich das dahinterliegende, die Geschichte eines Mannes, der versucht zusammen zu halten, was verloren ist, die verzweifelte Jagd nach der Fahrt in den Sonnenuntergang. Und auch die Musik offenbart ihre unfassbare, ihre emotionale Kraft und Magie. Stellvertretend für jene Momente, die aus Californication doch mehr machen, als vorabendliches Programm, obige Szene.
Killing them Softly – Love Letters

Killing them Softly ist ein dreckiger, ein entromantisierender Film – mit Ausnahme dieser womöglich titelgebenden Szene. In Zeitlupe wird der Auftragsmord an Ray Liotta endlos ästhetisiert, die Brutalität der Bilder wird komplett entkräftet, splitterndes Glas, fliegende Kugeln, der Zündmechanismus von Brad Pitts Kanone, sie erschaffen einen ruhigen, anmutigen Moment der Ewigkeit.

Moulin Rouge – El Tango de Roxanne

Moulin Rouge ist ein Film der Extreme – überzogene Glückseligkeit zu Beginn, verdammende Dramatik gen Ende. El Tango de Roxanne, großartig gesungen von Ewan McGregor und vor allem Jacek Koman, ist dieser Umschwung, emotionale Vorausdeutung und Höhepunkt des Films. Kombiniert mit den großartig choreographierten Tänzen erzählt der Song eine fesselnde Geschichte in der Geschichte voll rauer und erbarmungsloser Erotik, eine kraftvolle Körperlichkeit, die die tiefgreifende Verzweiflung aller ihrer Hoffnungen beraubter Protagonisten darstellt.

Scott Pilgrim vs. the World

Einer von vielen großartigen Song-Momenten in Scott Pilgrim vs. the World. Scott Pilgrim muss sieben teuflische Ex-Lover besiegen, um das Mädchen seiner Träume zu erobern. Der Erste: Matthew Patel, seines Zeichens ein Piraten-Michael-Jackson-Verschnitt. Schnell, vollkommen abgedreht und überzogen, in einer Comic-Buch und Videospiel-Ästhetik wurde das Duell, welches mit einer (passend) seltsam anmutenden Gesangseinlage endet, inszeniert.

Scrubs – How to Save a Life

 

Die großartige Stärke von Scrubs, was es von sämtlichen anderen Sitcoms deutlich abhebt, ist der Tiefgang, die immer wieder aufkommende Dramatik. Zwei davon wird kaum jemand vergessen haben, der die Serie sah: Bens Beerdigung aus der ersten Staffel und eben jener Moment, der den Sturz des medizinischen Halbgottes, unterlegt mit dem beinahe sarkastisch anmutenden How to Save a Life, veranschaulicht.

Skyfall – Skyfall

Daniel Craig ist eine andere Art von Bond, er ist verwundbarer, schwächer, menschlicher – und hier liegt die Qualität von Skyfall und Casino Royale. Skyfall, von Adele gesungen, verdeutlicht noch einmal die innere Zerrissenheit, wie verloren 007 eigentlich ist. Für mich persönlich ist Skyfall der beste Bond und einer der besten Bond-Songs!

The Lion King – Circle of Life

Ist eine solche Liste ohne einen Disney-Film möglich? Natürlich nicht. Und der größte aller Disney-Filme, essentieller Bestandteil nicht nur meiner Kindheit, ist Der König der Löwen, beginnend mit einem ebenso einprägsamen wie zungenbrechenden Nants ingonyama. Und nein, natürlich musste ich nicht nachschauen, wie man das schreibt.

The Lord of the Rings – Edge of Night

Der Herr der Ringe steckt voll großer Momente – besonders emotional ist aber dieser Kleine. Beteiligte: Nur die Nebenfiguren Pippin, Denethor, Faramir und ein Haufen Statisten. Und dennoch, der zaghafte, fast schwächliche und traurige Gesang Billy Boyds steht im krassen Kontrast zu den widerlichen Großaufnahmen von Denethors Leichenschmaus, und bildet eine tragische Symbiose mit den kurzen Einstellungen, welche Faramirs hoffnungsloses und vor allem sinnloses Unterfangen zeigen.

The Prince of Egypt – The Plagues

Epischer Chor im Hintergrund? Dramatische Inszenierung? Die Konfrontation zweier Brüder, die das Schicksal zu unversöhnlichen Feinden machte, optisch wie auditiv bombastisch und in all ihrer Gegensätzlichkeit inszeniert? Was will man mehr?

 

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6 Kommentare zu “Top 11 der Songmomente in Film und Serie”

  1. Na da hat sich das Warten doch gelohnt. Sehr schöne Zusammenstellung, ab „Skyfall“ hast du mich sowieso an den Ohren gepackt. Der vorherige Rest muss noch geschaut werden, aber das macht doch zumindest auf klanglicher Ebene Hoffnung. 🙂

    1. nächste Woche kommt noch die zweite Nominierung, die ich nachzuholen hatte 😀 ich wollte ursprünglich Cornells You Know My Name nehmen, den hattest du dir aber schon unter die Nägel gerissen.. 😛

      1. 😀
        Mist! Und ich hatte tatsächlich überlegt „Skyfall“ zu nehmen. Allerdings gefällt mir der Vorspann gesamt von „Casino Royale“ einen Ticken besser. 😛

      2. einfach die besten beiden Bond-Songs 😛 (im Gegensatz zum neuen..) ja, samt Video gefällt mir You Know My Name auch besser^^

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