Zwölf Uhr mittags (1952)

High Noon (1952)

Zwölf Uhr mittags

High Noon (R: Fred Zinnemann, US 1952, 85min)

Ampel - Gelb

Kane will be a dead man in half an hour and nobody's gonna do anything about it.
(Helen)

Ein gewisser Pathos ist jedem Western inharänt – raue Männer, die auszogen um die Zivilisation zu bringen und die Wildnis zu besiegen. Und manchmal kommt die Wildnis zu ihnen.

Sheriff Kane hat vor einigen Jahren Frank Miller hinter Gitter gebracht. Dieser ist wieder auf freiem Fuß und unterwegs, sich zu rächen. Miller hat die Wahl: Flieht er mit seiner frisch verheirateten Frau, oder stellt er sich einem letzten Kampf?

Lange vor Eastwoods Unforgiven dekonstruiert Zinnemann den den Western umgebenden Pathos. Viel wird gesprochen, über Ehre und Stolz, über Freundschaft und Loyalität dem Mann gegenüber, der die Wildnis aus Hadleyville vertrieb; und trotzdem erklären sich nur ein grünohriger Junge und ein einäugiger Alkoholiker bereit, ihm zu helfen. Eine Stadt von Feiglingen und Heuchlern, die nicht nur ihrem einstigen Sheriff im Stich lässt, die sogar dem Kampf und dem Spektakel entgegen sehnt.

Letztlich verweigert sich Zinnemann zwar einer endgültigen pessimistischen Perspektive, und doch sind die letzten Bilder erstaunlich konsequent: der Sheriff Stern, Symbol für Recht und Ordnung und vor allem für Respekt, liegt im Schmutz der Straße.

In Echtzeit inszeniert spitzt sich das hochkarätig besetzte Kammerspiel mehr und mehr zu, bis es schließlich seinen actionreichen Höhepunkt findet. High Noon macht alles richtig: die Musik baut gekonnt Atmosphäre auf, die Figurenzeichnung ist hervorragend gelungen und gewährt allen Beteiligten eine ungeahnte Tiefe, die Handlung überzeugt als solche und hinterfragt darüber hinaus das vollständige Genre samt der Haltung der Zuschauer zu diese – kurzum: High Noon hat sich seinen Platz als Klassiker redlich verdient!

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19 Kommentare zu “Zwölf Uhr mittags (1952)”

  1. Manche Männer kämpfen um 12 Uhr bis aufs Blut. Andere retten die Welt und eine Hand voll entschärfen eine Bombe. Ich? Wenn ich nicht arbeite, bin ich um diese Uhrzeit gerade am Aufwachen, wickel mich in einen Kokon und jammere rum, weil ich noch müde bin 😀

    1. pff, ich hab mir heute den Wecker auf 14 Uhr gestellt und dann noch ne Stunde im Bett Sudoku gespielt, bevor ich aufgestanden bin^^

  2. Ich finde der zweite Absatz würde sich (natürlich mit männlich-rauchiger Stimme gesprochen) ideal als Teasergefasel für den Film eignen. Kannst du sowas bitte demnächst entsprechend eingekleidet oben als Video mit einbauen? Danke! Finde das sollte nun ein elementarer Part deiner Artikel werden. 😉

    1. danke^^
      ich werde in Zukunft Trailer für meine Artikel schneiden – epische Musik, harte Schnitte und wilde Kamerafahrten auf die verschiedenen Sätze und – selbstverständlich männlich und rauchig – einer Stimme aus dem Off! 😀
      hab tatsächlich in jüngerer Vergangenheit darüber nachgedacht, ob ich hier nicht noch einen Podcast hinstellen möchte, weiß aber noch nicht ob ich mich vor die Kamera/Mikro stellen möchte und bin eigentlich mit dem geschriebenen Wort deutlich besser als dem Gesprochenen 😀
      aber diese spezielle Art und Weise, wie in den alten Western gesprochen wurde, fasziniert noch immer…

      1. Yeeees! Das klingt sehr gut. Epische Inszenierungen ftw und so. ^^
        Kann ich natürlich verstehen, wenn du dich nicht vor die Kamera oder das Mikro hocken möchtest – das tu ich ja auch nicht. 😀

      2. btw, wo wir schon bei Stimmen im Kopf sind: schau dir mal den Trailer zu Stranger than Fiction an 😀 die weibliche Autoren-Stimme habe ich bei deinen Texten meist im Kopf^^

      3. Oh. Ooooh! Ich habe eine Synchronsprecherin in deinem Kopf! Wie cool xD Muss ich mir echt mal anschauen. ^^ Okay, also (vorausgesetzt du meintest die deutsche Version) die Synchrontante heißt Monica Bielenstein und die hat da ja echt eine Vorleseart drauf. 😀 Gut, dass ich meine Texte nicht podcaste, das klänge definitiv nicht synchronsprecherig genug. ^^

      4. vielleicht kannst du die verpflichten? 😀 ne, meinte eigentlich die Originalstimme, die von der Bielenstein klingt aber au gut^^

    1. er verkörpert wie kein anderes Genre den Urmythos, verhandelt grundlegende Konflikte der Menschheit und zentrale Fragen, hat darüber hinaus noch entscheidenden Einfluss auf das Kino als Ganzes sowie zig andere Genres gehabt – wie kann die Faszination für Western nicht existieren? 😮
      außerdem darf man als kleiner Bub heimlich mit Opa und Papa Western schauen 😀

      1. Was sind denn die grundlegenden Konflikte der Menschheit und die zentralen Fragen? 😀 und ich hab nicht gesagt, dass die Faszination dafür nicht existiert, sondern mich gefragt woher sie wohl kommt 😀

  3. Trotz seines gekonnten Realtime-Kniffs finde ich den Film so dermaßen überbewertet und anstrengend. Natürlich, er spielt mit dem den Western umgebenden „Pathos“, wie du es formulierst, und ist schon in sich selbst ein Abgesang auf das Genre. Ändert aber nichts daran, dass man einem Mann 85 Minuten dabei zusieht, wie er versucht – meist erfolglos – seine Leute um sich zu scharen. Mehr ist es ja nun nicht, als die Defragmentierung dieses Stils.
    Kann verstehen was viele in „High Noon“ sehen, mich ödet er leider nur an…

    1. 😀
      ist das aber nicht bei den meisten Kammerspielen so? Sie packen und fesseln dich, oder aber sie öden dich endlos an^^

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