Der Hobbit 3: Die Schlacht der Fünf Heere

Der Hobbit 3 Die Schlacht der fünf Heere

Der Hobbit 3: Die Schlacht der Fünf Heere

The Hobbit: The Battle of the Five Armies (R: Peter Jackson, NZ/US 2014, 144min)

Ampel - Gelb

Will you follow me, one last time? 
(Thorin Eichenschild)

Ein Hobbit zog mit dreizehn Zwergen und einem Zauberer aus, um ein Abenteuer zu erleben – ein Abenteuer, das sich seinem finalen Kapitel nähert. Die Zwerge haben das Reich unter dem Berg zurück. Zumindest fürs erste. Es sind nicht nur Zwerge, die das Drachengold begehren, Menschen und Elben strömen ebenfalls gen Erebor. Und weitaus dunklere Geschöpfe.

Das Potential der zweiten Mittelerde-Saga war riesig, die Erwartungen noch größer, eine Enttäuschung nur logisch. Ist es aber nur Enttäuschung, die ein flaues Gefühl im Magen zurücklässt? Nein, die Fehlerliste ist einfach zu lang – und vor allem vermeidbar.

Die größten Patzer sind wohl die auf dramaturgischer Ebene, denn storytechnisch passiert nahezu gar nichts. Zum Verhängnis wird weniger die recht kurze Vorlage, in der durchaus genug Handlungsstränge und Charaktere angelegt sind, als viel mehr die verschwenderische Oberflächlichkeit und eine unglückliche Wahl von Prioritäten. Der Arc um den Hexenmeister und Gandalf wird ebenso schnell abgefertigt, wie Smaugs Angriff auf die Seestadt, Jackson versteift sich bei den Nebenfiguren auf die uninteressanten und eher störenden Eigenkreationen Tauriel und Alfrid, während wirklich interessante Figuren wie Radagast oder Beorn kaum eine Randnotiz wert sind.

Problematisch ist auch die sich schon durch die gesamte Reihe ziehende inkonsequente Ausrichtung. Es wurde verpasst eine eindeutige Richtung einzuschlagen – die Vorlage als Kinderbuch zu akzeptieren oder einen neuen Herrn der Ringe auf die Leinwand zu zaubern. So endet der letzte Hobbit als halbgare Mischung aus beidem. Immer wieder sind grandiose Momente zu sehen, die unmittelbar zerstört werden. Beispiele? Thranduil stürmt in einer wundervoll an Die zwei Türme erinnernde Szene eine Brücke hinauf, nur um auf lächerlichste Art fünf oder sechs Orks gleichzeitig mit dem Geweih seines Reittieres aufzuheben und zu enthaupten. Oder der Ansturm der Orktruppen auf die Zwergen-Phalanx, welche durch bockspringende Elben fast schon entweiht wird. Oder der nahezu vollständige und abwegige Kampf Legolas‘ mit Bolg. Oder Trolle, die eine Mauer mit ihrem Schädel einreißen. Eine Liste, die sich deutlich erweitern ließe.

Ein weiteres großes Manko ist der falsche Fokus. Die Schlacht der Fünf Heere rückt keineswegs die Schlacht der Fünf Heere in ihr Zentrum, viel mehr wird das Kampfgetümmel schnell verlassen und auf einzelne Zweikämpfe von Thorin, Legolas und einigen wenigen weiteren Protagonisten konzentriert – und diese reichen einfach nicht aus, um zweieinhalb Stunden die Spannung hoch zu halten. Dabei sind sie die meiste Zeit über toll choreographiert und sehen gut aus, aber es ist schlicht und ergreifend nicht groß genug, die Erwartungen des Trailers und Filmtitels werden in keinster Weise bedient. Auch wirkt die Entscheidung, dass Heer der Warge durch Fledermäuse zu ersetzen ebenso unglücklich wie Legolas unnötige Fahrt nach Gundabad. Die Handlung wird an den falschen Stellen künstlich verlängert!

Im großen scheitert das letzte Abenteuer des Hobbits! Trotzdem hat er den ein oder anderen Leckerbissen zu bieten. Die Effekte sind toll und bieten zahllose Leckerbissen fürs Auge, ebenso gelungen ist die atmosphärische Rettung Gandalfs – wenn diese auch in Relation zum verbliebenen Film, insbesondere in Anbetracht dessen, wie die verfügbare Zeit genutzt wurde, viel zu schnell vorbei war. Ebenso gelungen ist auch Thorins Heilung von der Drachenkrankheit – einer der wenigen Momente, die sowohl visuell als auch dramaturgisch zu überzeugen wissen.

Handwerklich lässt sich dem Hobbit wenig vorwerfen. Die Schauspieler überzeugen, die Effekte sind großartig, selbst das 3D wirkt meist überzeugend. Das kann aber leider nicht über zuweilen erhebliche dramaturgische Schwächen hinwegtäuschen – und so bleibt die (zumindest vorläufig) letzte Reise nach Mittelerde eine sehr mittelmäßige. Schade.

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4 Kommentare zu “Der Hobbit 3: Die Schlacht der Fünf Heere”

  1. Mir hat das Finale ja ziemlich gut gefallen. Hast du die erweiterte Fassung gesehen oder die Kinoversion? Auch handlungstechnisch ist mehr passiert, als ich nach Bekanntgabe des Titels befürchtet hatte. Auch wenn ich damit ziemlich alleine bin, mag ich den schon sehr.

    1. ne, nur die Kinofassung
      naja, ich hab eigentlich keine Handlung gebraucht, viel mehr hab ich mich nach den Trailern auf zweieinhalb Stunden gigantisches Schlachtenspektakel gefreut – quasi ein neuer Minas-Tirith-Kampf
      dass das große Schlachtengetümmel dann auf eine handvoll Szenen reduziert wurde und die Kamera stattdessen fast nur noch einzelnen Protagonisten in ihren jeweiligen Zweikämpfen folgte, hat mich dann doch sehr enttäuscht
      für mich war der Hobbit quasi permanent vor Augen halten, was für ein geiler Film es hätte sein können, nur um es dann im letzten Moment zu versieben
      schlecht ist er sicher nicht, nur war bei mir die überwiegende Emotion Enttäuschung

      aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden 😀

      1. Der Kampf ist in der erweiterten Fassung deutlich besser und härter. 20 Minuten mehr Action. Lohnt sich!

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