The Legend of Hercules (2014)

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Eine neuere, leicht überarbeitete Fassung findet sich hier.

The Legend of Hercules

The Legend of Hercules (R: Renny Harlin, USA 2014, 99min)

Ampel - Gelb

 Have you come to bring the wrath of Zeus upon me, boy?
(Amphitryon)

Inhalt: Der grausame, doch beinahe unbesiegbare Amphitryon unterwirft große Teile Griechenlands, als ihm von seiner Frau ein zweiter Sohn geboren wird. Doch es ist nicht sein Sohn, es ist der Sohn des Zeus – geboren mit dem Versprechen, die Tyrannei des Amphitryon zu beenden. Der Halbgott wächst im Schatten seines Bruders, den Erben des Reichs, auf, obwohl er diesen so deutlich überragt.

Kurz nachdem seine große Liebe Hebe Iphikles versprochen wird, befindet sich Herkules auf einer militärischen Mission gen Ägypten – ohne Aussicht auf Erfolg. In die Sklavenschaft verkauft und in Gladiatorenarenen gezwungen, schwört er Rache. Um Hebe aus den Klauen seines Bruders zu retten, um dem Land Frieden zu bringen und den Tyrannen zu stürzen und, um endlich seine Rolle als Sohn des Zeus einzunehmen.

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Rezension: Style over substance ist meist eine schlechte Idee. Es gibt Ausnahmen, ohne Zweifel, wenn tolle Bilder oder eine stilvolle Inszenierung über dünne Handlungen und Charaktere hinwegtrösten, Kingsman oder Scott Pilgrim wären hier zu nennen. Eine weitere Ausnahme, 300, hat zweierlei bewirkt: Ein gesteigertes Interesse am Historienfilm, ebenso wie eine gewisse Popularität einer besonders stillistischen Inszenierung. Zack Snyder gelang dabei, was seinem Nachfolger Noam Murro mit 300: Rise of an Empire verwehrt blieb: Trotz gigantischer narrativer Schwächen entstandt dank einer besonderen Bildsprache ein sehenswerter Film über die Schlacht an den Thermopylen.

The Legend of Hercules ist einer der Filme, die sich selber in die Nachfolge von 300 stellen wollen – und dabei grandios scheitern. Schon in den ersten Sekunden wird die Richtung offensichtlich. Regisseur Renny Harlin versucht sich in einem großen Actionspektakel, verlässt sich dabei aber zu sehr auf eine misslungene Bildästhetik.

mv5bmjm4mjk2nzm3nv5bml5banbnxkftztgwmdc2otg3mde-_v1__sx1078_sy478_Die Story bietet an sich einige durchaus interessante Aspekte. Ein Halbgott, der der Sklaverei entkommt um eine Rebellion gegen den tyrannischen König anzuführen – prinzipiell Stoff einer epischen Erzählung. Aber nur im Prinzip. Denn das Drehbuch wird vor allem durch die missratenen Charaktere ruiniert. Es gibt eine schwarz-weiß Zeichnung der einfachsten Art, der noble, heldenhafte Herkules und seine Freunde auf der einen Seite, der machtgierige und grausame König und sein wahnsinniger und schwacher Sohn auf der anderen Seite. Die Figuren verlieren sich – ebenso wie die komplette Handlung – so sehr in Stereotypen, dass kaum mehr als gähnende Langeweile übrig bleibt. Der Sandalenfilm bedarf keines komplexen Plots; The Legend of Hercules schrammt aber mit seinen dumm agierenden Charakteren, seinen überladenden Klischees und Logiklöchern an einer Beleidigung des Publikums vorbei. Man könte an dieser Stelle auch die Schauspieler kritisieren, doch es darf bezweifelt werden, ob bei einem solchen Drehbuch überhaupt eine bessere schauspielerische Interpretation der seichten Charaktere mögllich ist.

Was man dem Film zu Gute halten kann, ist, dass seine Figuren – soweit das bei Legenden und Sagen möglich ist – tatsächlich historisch verbürgt sind. Das ist dann aber bereits alles. Insbesondere, da die Darstellung der einzelnen Protagonisten der Überlieferung komplett zuwiderläuft. Die inkonsequente Nutzung der Namen aus römischer und griechischer Mythologie ist dabei noch das kleinste Problem. Weder der irdische Vater von Herkules noch sein Bruder waren dem Wahnsinn anheim gefallen oder vor Neid auf den Halbgott zerfressen, im Gegenteil, sie kämpften an seiner Seite. Auch die kurze Episode über den Kampf gegen den Nemeischen Löwen weiß zumindest bedingt zu überzeugen, wird aber – wie soviel anderes innerhalb des Films – unmittelbar durch die folgende Szene mit dem Eifersuchtsdrama Iphikles´ zunichte gemacht.

mv5bmtcxmdkymze4mv5bml5banbnxkftztgwmji1njq3mde-_v1__sx1078_sy478_Betrachtet man sich anschließend die Ästhetik des Films muss man sogar zum Schluss kommen, dass der inhaltliche Teil die starke Seite des Films ist. Wenige überzeugende Einstellungen sind durchaus vorhanden, diese werden aber unverzüglich durch weniger gute Ideen zerstört. Vollkommen deplatzierte Zeitlupen in einer selten gekannten Fülle vernichten immer wieder den Bilderstrom und werden an Peinlichkeit nur durch die merkwürdige Stilisierung und den Körperkult um Hercules übertroffen. Dazu kommt noch fehlender Mut während der zahlreichen, aber meist schlecht inszenierten Actionszenen. Eine drastischere und explizitere Darstellung von Gewalt hätte möglicherweise auf visueller Ebene noch einiges retten können, wurde aber zu Gunsten einer PG-13 Freigabe wieder verworfen. Und für einen Film, der eigentlich über seine Bilder kommen möchte – und der mit einem Budget von 70 Millionen ausgestattet war – sind die Visual Effects überraschend schlecht.

Fazit: In The Legend of Hercules passt leider gar nichts. Eine schlechte Handlung wird in beinahe experimentellen, aber absolut falsch gewählten Bildern via laienhafter Darsteller erzählt. Vieles erinnert an ein studentisches Projekt, bei denen die Gruppe das Glück hat, dass einer der Väter eine hochprofessionelle Filmausrüstung besitzt. Eine verpasste Chance und vergeudetes Potential.

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7 Kommentare zu “The Legend of Hercules (2014)”

    1. als Kind habe ich die griechische Mythologie regelrecht verschlungen – entsprechend gibt man nahezu jedem Film wider besseren Wissens eine Chance 😀
      btw. du hast gerade meinen Blog abonniert, ich benutze den aber ausschließlich nur noch für Community-Bereiche. Über Filme schreibe ich künftig hier: https://xsehufilms.wordpress.com/

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