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Vom Genre I: Repetition und Wiederholung

Spiel mir das Lied vom Tod
C’era una volta il West

Hollywoods Erfolg basiert auf einem einfachen Konzept von Repetition und Variation. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Grunderzählungen herausgebildet, anhand derer sich folgende Filme sehr stark orientieren. Little Caesar (R: Mervyn LeRoy, USA 1931) war Anfang der 1930er Jahre ein Riesenerfolg und innerhalb kürzester Zeit entstanden zahlreiche Filme über den Aufstieg und Fall eines Gangsters. The Public Enemy (R: William A. Wellman, USA 1931) und Hawks Scarface (R: Howard Hawks, USA 1932), beides heute als Klassiker verstanden, folgten neben vielen anderen nicht nur den Grundzügen der Story, sondern teilten auch die Stilistik und Bildsprache mit einer bis dato nicht gekannten Darstellung von Gewalt. Die 1950er Jahre kannten, auch in Folge des Roswell-Zwischenfalls und der allgegenwärtigen Angst vor der roten Gefahr, eine Menge Alien-Filme, in denen die Erde von Außerirdischen besucht wird. The Day the Earth Stood Still (R: Robert Wise, USA 1951) war einer der ersten dieser Zeit, der das Genre, v.a. auch die Tongestaltung, bis heute prägt. Wichtig war auch The Thing from Another World (R: Howard Hawks, USA 1951) sowie eine Reihe weiterer Filme, in denen gestaltwandelnde außerirdische Lebensformen die Menschheit bedrohen. Dieser Struktur folgt unter anderem Invasion of the Body Snatchers (Don Siegel, USA 1956), der heute als einer der besten SciFi-Filme aller Zeiten gilt. Und in den 2000er Jahren darf der Erfolg von Sam Raimis Spiderman-Trilogie (R: Sam Raimi, USA 2002-2007) als Grundlage für die Dominanz des Superheldenkinos angesehen werden.

Das Cabinet des Dr. Caligari
Das Cabinet des Dr. Caligari

Selbstverständlich ist diese Vorgehensweise nicht auf Amerika beschränkt. Sergio Leones Per un pugno di dollari (Für eine Handvoll Dollar, R: Sergio Leone, IT/ES/DT 1964) erschuf das Genre des Italo-Western und machte Clint Eastwood zum Star. Der innerhalb Japans seinerzeit als mittelmäßig angesehene Rashomon (R: Akira Kurosawa, JP 1950) von Akira Kurosawa lenkte die Aufmerksamkeit erstmals nach Fernost und in Deutschland prägte Das Cabinet des Dr. Caligari (R: Robert Wiene, DT 1920) wie kein anderer den expressionistischen Film, an dem sich beispielsweise Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (R: Friedrich W. Murnau, DT 1922) oder später auch der vollständige Film noir orientierte.

 

Es lässt sich hierbei eine gewisse Struktur feststellen. Vereinfacht gesagt gibt es eine Idee, auf narrativer oder stilistischer Ebene. Diese Idee muss nicht zwangsläufig neu sein, aber erfolgreich. Anschließend werden zahlreiche Nachahmer diese Grundidee kopieren, aber einige kleinere oder größere Änderungen vornehmen. Diese Idee wird nun in allen erdenklichen Versionen durchgespielt, bis der Stoff ermüdet ist, das Publikum gesättigt ist und diese Idee wegstirbt oder von einer neuen auftauchenden Idee überstrahlt wird. So oder so ähnlich entstehen Zyklen und kleine Epochen des Kinos, so oder so ähnlich darf man sich die Geburt des Genres vorstellen.

Was genau ist aber dieses Genre? Das Lexikon der Filmbegriffe bezeichnet dieses als „Sets kultureller Konventionen“, die als „historisch entstandene kodifizierte Institution der Filmkultur im Sinne einer regulierenden Beziehung zwischen Produzent und Rezipient aufgefasst“ werden kann. Das heißt, ein Genre ist im Prinzip kaum mehr als ein mündlicher Vertrag zwischen Filmschaffenden und Filmschauenden über den Inhalt des jeweiligen Films. Der Zuschauer kann sich aufgrund des Genres einen Film aussuchen und hat bereits vor der Sichtung eine grobe Vorstellung über die Handlung und was er erwarten darf.

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She´s Out of My League

Dies läuft insbesondere über ein gewisses Set an Standardsituationen, sowie über das Setting ab. Der Western-Zuschauer darf sich auf eine Kneipenschlägerei und den großinszenierten Shootout freuen, in der Romcom wird er sie oder sie ihn nach anfänglichen Schwierigkeiten, üblicherweise im letzten Moment ehe er oder sie ein öffentliches Verkehrsmittel besteigen kann, doch noch bekommen und ein Historienfilm wird eher nicht während des 21. Jahrhunderts spielen. Allgemeingültige Erzählkonventionen wie die Dreiteilung der Akte, die beliebte Last-Second-Rescue oder der Antagonist als absoluter Tyrann im Rahmen seiner Möglichkeiten, erhalten auf diese Weise eine weitere Präzisierung.

Solche Standardsituationen hat jedes Genre parat. Sie funktionieren zugleich wie Werkzeuge oder Zutaten. Wie bereits gesagt, ein Blick auf das Genre-Rezept lässt dem Publikum bereits eine Vorstellung über die Bestandteile der filmischen Kost. Sie sind aber auch dem Regisseur und Produzenten ein großes Hilfsmittel, da er ein bestimmtes Repertoire hat, auf das er zurückgreifen kann und von dem er weiß, dass es bei dem geneigten Zuschauer – und jeder Genre-Zuschauer ist ein solcher – grundsätzlich wohlwollend aufgenommen wird.

Nehmen wir als Beispiel einen Western. Insbesondere der Western zeichnet sich durch ganz gewisse Handlungsstränge, durch ein auf wenige Jahre festgelegten zeitlichen Rahmen – samt deren historischen Begebenheiten – und auf ein räumliches Setting fest. Jeder Fünf-Jährige ist in der Lage, nach einer maximal halbstündigen theoretischen Einweisung einen Genre-Film zu drehen, der als Western funktioniert. Er wird einfach einen rechtschaffenden Sheriff in eine nordamerikanische Stadt – nennen wir sie Hadleyville – setzen, und zwar in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein paar Schurken, die eine persönliche Fehde mit dem Sheriff am Laufen haben kommen schon bald in die Stadt. Der Sheriff wird heldenhaft die Gelegenheit zur Flucht verstreichen lassen, um sich der Übermacht entgegenzustellen und Recht und Ordnung aufrechterhalten. Er wird die neu entdeckte Eisenbahn gleichzeitig als Transportmittel für die Ankunft der Schurken, als auch potentiellen Ausweg benutzen – schließlich ist der Zug ein sehr erfolgreich dramatisierendes Element des Western. Er wird auch eine kurze, aber heftige Schlägerei in einem Saloon drehen lassen und kurz danach kommt es zum Finale. Die Helfershelfer werden schnell zur Strecke gebracht, ehe der Anführer der Ganovenbande im finalen Shootout tödlich getroffen wird und unser Sheriff, stellvertretend für die ordnenden Kräfte der Zivilisation, schließlich trotz aller Widerstände gegen die aufkommende Wildnis gewinnen wird.

Und anschließend wird sich unser Regisseur-Talent auch nicht mit Plagiatsvorwürfen herumschlagen müssen, weil er gerade das Konzept von Fred Zinnemanns High Noon (R: Fred Zinnemann, USA 1952) in seinen Grundzügen kopiert hat. Laut Frank Gruber, Autor und Drehbuchschreiber, hat der Western lediglich sieben verschiedene Plots. High Noon, wie unzählige andere, folgt dem Archetyp der Marshal story. Und hier kommt der gute Regisseur ins Spiel. Denn dieser macht aus der Summe deutlich mehr als seine Einzelteile. Zinnemann reiht nicht nur die obigen Standardsituationen aneinander, er erweitert sie mit grundlegenden menschlichen und psychologischen Konflikten. So wird High Noon zu einer Geschichte um falsche Loyalität, um Verrat und Undankbarkeit, um Isolierung und Vereinsamung.

Campbell HeldenreiseOhnehin gibt es – ich denke da an Joseph Campbells Heldenreise – kaum mehr als eine Handvoll unterschiedlicher Erzählungen auf dieser Welt; wenn man diese denn abstrakt genug betrachtet. Will man dieses Spiel auf die Spitze treiben, könnte man sagen, der Mensch kenne nur eine Geschichte, nämlich Gut gegen Böse – man hätte damit zumindest nicht Unrecht. Eine solche Perspektive ist aber alles andere als förderlich und hilft nicht weiter. Und bei einer werknäheren und weniger abstrakten Betrachtung trifft man dennoch auf immer wieder wiederholte Erzählungen (Repetition), die sich in ihren Details unterscheiden (Variation). Wiederholung und Veränderung sind die ältesten und wichtigsten Erzählstrategien der Menschheit.

Um aber wieder auf das Genrekino zurückzukommen: Knut Hickethier teilte den Prozess der Genre-Erschaffung – nichts anderes ist obiger Vorgang – in vier Phasen ein, nämlich Entstehung, Stabilisierung, Erschöpfung und Neubildung. Die erste Phase, die Entstehung, wurde hier bereits thematisiert. Ein sehr erfolgreicher und beliebter Film bzw. eine Gruppe an Filmen wird so häufig kopiert, bis eine reproduzierbare Mischung an Thema, Motiven und Archetypen gefunden wurde. In der Stabilisierungsphase werden immer neue Varianten des Genre-Schemas hervorgebracht, ehe schließlich in der Erschöpfungsphase der Markt gesättigt ist und das Publikum das bekannte Muster nicht mehr akzeptiert. Neue Varianten werden nicht mehr angenommen und das Genre liegt brach. Durch einen oder mehrere überraschende Erfolge wird das Genre letztlich neu belebt. Mittels einer neuen Mischung, d.h. neu entstandener Genresynkretismen, durch aktualisierte Stilmittel oder schlicht und ergreifend durch ein Retrophänomen kommt es so zu einer Neubildung.

Ein sich wiederholender Kreislauf.

Part II: Die Meta-Genres >

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Liebster Blog Award

Läuft derzeit, jede Woche eine neue Nominierung. Naja, nicht ganz, schließlich kamen zwei der drei Aufrufe zu solchen Stöckchenspielen vor einem nicht unerheblichen Zeitraum. Auch hier spare ich mir die lange Vorrede und komme direkt zum Punkt: Film und Buch luden ein zur folgenden, ursprünglich von MoviePictureManiacs ins Leben gerufenen Fragerunde auf:

Was brachte dich auf die Idee, einen eigenen Blog zu starten?

In aller Kürze: Ich schreibe gern und habe eine große Leidenschaft für Filme, sehe gegebenenfalls auch meine berufliche Zukunft in einem solchen Kontext. Dementsprechend bietet sich ein Blog sowohl als Fingerübung als auch als Plattform eines Meinungsaustausches hervorragend an. (Langfassung und erster Post gibts hier).

Auf welche Themen gehst du auf deinem Blog besonders ein?

Film und Serie. Derzeit (leider) noch fast ausschließlich in Form von Rezensionen. Ich wollte eigentlich schon lange einen informativeren, ggfs. auch filmwissenschaftlichen Teil einbauen, bin aber noch nicht dazu gekommen.

Film oder Buch, was spricht dich mehr an?

Schwierige Frage, die ich nicht abschließend beantworten kann. Für mich steht die Narration immer an erster Stelle – und die ist in Büchern häufig ausführlicher ausgebaut, detailreicher. Ein guter Film dagegen geht stringenter vor, erzählt seine Geschichte prägnanter und hat natürlich einen audiovisuellen Vorteil.

Es gibt kaum noch einen Film, der kein Remake ist. Was hältst du vom derzeitigen Remake-Wahn?

Prinzipiell habe ich nichts gegen Remakes, einer meiner Lieblingsfilme (3:10 to Yuma) ist eines. Gewissermaßen ist ohnehin praktisch jede Geschichte bereits erzählt worden. Solange es gut umgesetzt ist und einen Mehrwert bietet, wie beispielsweise Nolans Batman-Trilogie, gibt es meiner Meinung nach nichts daran auszusetzen. Wenn dem nicht so ist, geschehen etwa bei Carrie, und ausschließlich ökonomische oder gar ’studienpolitische‘ Gründe dahinterstecken (Spiderman) und nicht mehr die zu erzählende Geschichte zentral ist, dann ohne mich.

Was ist dein Lieblingsfilm und wieso?

Star Wars Episode V: The Empire Strikes Back. Wieso kann ich kaum erklären, hier habe ich es erzählt.

Gibt es Genres, die du nicht magst?

Nicht wirklich. Ich bin zwar kein großer Fan von Horrorfilmen, da ich kein großartiges Vergnügen darin sehe, mir Angst einjagen zu lassen, wenn die Handlung interessant klingt, habe ich aber auch kein Problem mir einen solchen anzuschauen. Generell finde ich aber die Genreeinteilungen ohnehin schwierig und die wirklich guten Filme bedienen sich einer Mixtur aus Elementen aller Richtungen.

Was hältst du von Trash-Filmen?

Filme mit einer trashigen Grundidee oder Inszenierung, die eine gewisse Qualität erreichen, stehen bei mir sehr hoch im Kurs. So etwas wie Iron Sky, Tucker & Dale vs. Evil oder auch Scott Pilgrim liebe ich. Auch die Zombeaver wollte ich mir noch geben. Sharknado hat aber mein Interesse an diesem Stil einen herben Dämpfer verpasst.

Gibt es ein Buch, das dir so gut gefallen hat, dass du es ein zweites Mal oder sogar ein drittes Mal gelesen hast?

Mehrere. Die Harry Potter Reihe, insbesondere Teil 3, habe ich mehrfach gelesen, auch Timothy Zahns Thrawn Trilogie oder die First Law Trilogy von Joe Abercrombie. Und definitiv noch ein weiteres Mal lesen werde ich Rick Yanceys Monstrumologen oder, (um auch ein wenig gehobenere Literatur zu nennen) den großen Gatsby – auch gezwungenermaßen, schließlich wird meine Abschlussarbeit aller Vorrausicht nach von der Ästhetik in Literaturverfilmungen anhand des Beispiels von eben diesem handeln.

Welcher Regisseur ist dein Lieblingsregisseur? Was gefällt dir an den Filmen deines Lieblingsregisseurs besonders?

Einen Lieblingsregisseur hab ich eigentlich nicht wirklich. Mir gefällt Nolans Stilistik und Erzählweise sehr gut, Leone war der Meister meines Lieblingsgenres, von Abrams erwarte ich mir noch eine Menge. Auch die überladende Ästhetik von Baz Luhrman oder die düstere Atmosphäre von Fincher gefällt mir sehr gut. Und selbstverständlich der Altmeister der Spannung, Hitchcock. Nur um ein paar zu nennen.

Welches Filmmonster gefällt dir am besten und wieso?

Würde Hannibal Lecter in diesem Kontext als Monster zählen? Auch hier hab ich eigentlich keinen wirklichen Favoriten. Der weiße Hai aus Jaws war ziemlich cool, wohl aber v.a. weil der Film richtig gut war, Geschichten rund um Werwölfe fand ich immer recht faszinierend, die Raketenwürmer aus Tremors waren recht cool, der Rancor aus Star Wars damals furchteinflößend. Wenn ich mich auf einen festlegen müsste, wäre das wohl King Kong oder Nosferatu/Dracula, da beide über zahlreiche Facetten verfügen und mehr als nur bloße Bedrohungen sind.

Siehst du Filme lieber zuhause auf DVD oder im Kino?

Die großen, bombastischen Filme im Kino, die kleineren, ‚intelligenteren‘ daheim auf DVD.

 

Das waren die Fragen, was waren aber eigentlich die Regeln?

  • Danke dem Blogger, der dich nominiert hat. -> Danke an das Team von Film und Buch
  • Verlinke den Blogger, der dich nominiert hat. -> Check
  • Füge eines der Liebster-Blog-Award Buttons in deinen Post ein (optional). ->  Was für ein Button?
  • Beantworte die dir gestellten Fragen. -> Check
  • Erstelle 11 neue Fragen für die Blogger, die du nominierst. -> Uh, da bin ich nicht so gut. Trotzdem, Check.
  • Informiere die Blogger über einen Kommentar, dass du sie nominiert hast. -> Verlinken sollte doch reichen?

Liste der Nominierten:

Fragen:

  1. Wieso ein Blog?
  2. Hand aufs Herz, wie zufrieden bist Du mit deiner ‚Arbeit‘?
  3. Kurzgeschichten: Gute Alternative zu traditionellen (Lang-)Geschichten oder zu wenig Platz um eine Handlung zu erzählen?
  4. Der liebste Autor?
  5. Das beste Genre?
  6. Der sense of wonder („an emotional reaction to the reader suddenly confronting, understanding, or seeing a concept anew in the context of new information“) – wann zuletzt erlebt?
  7. Kannst du die Mitternachtsformel noch?
  8. Lieblingspokemon?
  9. Das Trolley-Problem – Weiche umstellen oder nicht nennen, das ist hier die Frage.
  10. Beeinflusst dich die Politik einer Firma, ihr Produkt zu kaufen/ nicht zu kaufen?
  11. Sechs Wochen bis Weihnachten – wann werden die Geschenke besorgt?