Die Tribute von Panem – Catching Fire (2013)

The Hunger Games. Catching Fire (2013)

Die Tribute von Panem – Catching Fire

The Hunger Games: Catching Fire (R: Francis Lawrence, US 2013, 146min)

Ampel - Gelb

"Remember who the real enemy is."
 (Haymitch Abernathy) 

Das Mädchen, das in Flammen steht und die Welt entfachte.
Katniss Everdeen überlebte. Sie hat das Gemetzel der Hungerspiele gewonnen und dabei dem mächtigen Capitol getrotzt. Und sie hat ein Symbol erschaffen. Ein Symbol der Hoffnung und des Widerstandes. Darum muss sie sterben. Gemeinsam mit den anderen Gewinnern, allesamt potentielle politische Störenfriede, wird sie erneut in der Arena auf Leben und Tod antreten müssen. Doch die Welt hat sich seit den letzten Spielen verändert…

Catching Fire nimmt sich Zeit. Viel Zeit. Denn während der Vorgänger sich fast komplett auf die Arena und Katniss fokussierte, stellt dieser die Stimmung in den Bezirken dar, zeigt uns wie es in der Bevölkerung rumort, wie die Flamme der Revolution Feuer fängt. Dies erfolgt aber konsequent aus einem Blickwinkel, der Zuschauer weiß, bis auf ein oder zwei nebensächliche Dialoge, nie mehr als die Protagonistin, auch er sieht nur die schockierenden Folgen des offenen Widerstandes während ihrer Propagandaauftritten, auch er kann nur durch halb geöffnete Türen spicken um Bruchstücke der Wahrheit zu erfahren. Er sieht die Bilder, die Qual des Volkes, ohne aber die Auslöser zu kennen, ohne den Mann zu sehen, der den Befehl gab, es sind gesichtslose Soldaten, die die Übermacht des Capitols verkörpern und die es dem Publikum einfach machen, dieses System zu hassen. Präsident Snow und der neue Oberste Friedenswächter Romulus Thread scheinen kaum die wirklichen Gegenspieler zu sein, sondern nur Ausgeburten dieser falschen Ordnung.

Und hier liegt eine große Stärke des Films. Es gibt nicht den klassischen Feind, den zu zerstören es gilt, den ein einzelner Held mit einer tollkühnen Tat töten kann. Es ist, nicht unähnlich dem Nichts in Michael Endes Unendlicher Geschichte, der Kampf gegen eine übermächtige Maschinerie, es ist ein Krieg, den Katniss Everdeen unmöglich gewinnen kann.

Ein Krieg, dessen Grundlagen in diesem Film deutlich werden. Denn, wie vorhin erwähnt, die „Kinderspiele“, die Kämpfe der Tribune, werden hier nur am Rande thematisiert, viel wichtiger ist der kommende Krieg und die allgemeine Stimmungslage, sowie die Figurenkonstellation und persönlichen Eigenschaften der einzelnen Charaktere, und der immer wieder auftauchende Terror gegen Regimegegner.

Regisseur Francis Lawrence verzichtete dabei auf die nervige Wackelkamera des Sequels und konnte auf einen hervorragenden Cast zurückgreifen. Jennifer Lawrence, eine der jüngsten Oscargewinnerinnen, wirkt gelegentlich etwas statisch und distanziert, offenbart aber in vielen anderen Szenen ihr Talent, Sam Claflin überzeugt als Großmaul Finnick Odair, ebenso wie die meisten teils sehr namhaft besetzten Nebenrollen. Zu diesen zählen Namen wie Donald Sutherland, Liam Hemsworth oder  Josh Hutcherson. Zu den heimlichen Stars des Filmes avancieren aber Woody Harrelson (aka Tallahassee aus Zombieland (2009)) als ständig besoffener Ex-Champion Haymitch und Stanley Tucci, der den seltsam aufgetakelten und auf Knopfdruck lachenden TV-Moderator Caesar mimt. Vor allem den beiden letztgenannten beim Spielen zuzusehen ist eine Freude, allein Caesars strahlendes Lachen in Abwechslung mit den ängstlichen und fast schon verzweifelten Blicken im Schatten der diegetischen Kameras ist eine Augenweide.

Alles in allem eine starke Fortsetzung, die den guten ersten Teil in den Schatten stellt, bei der eine endgültige Wertung aber erst nach Vollendung der filmischen Quadrologie, oder zumindest des dritten Teils, getroffen werden kann. Denn ein kleines Manko, dass aber möglicherweise zur großen Stärke werden kann, bleibt: das urplötzlich einsetzende, offene Ende.

Meist ist ein offenes Ende dem Happy End überlegen, doch dieses hinterlässt einen leicht faden Beigeschmack, einen unfertigen Eindruck, es stiehlt praktisch das Finale. Die Ereignisse spitzen sich zu, ohne ausgehandelt zu werden, die letzte große Konfrontation, ein finaler Showdown bleibt aus. Doch dieser kleine Makel kann leicht ausgemerzt werden und zu einem dem letzten großen Pluspunkt ausgemerzt und umgewandelt werden, wenn The Hunger Games: Mockingjay (2014) konsequent hier anknüpft und diesen serienhaften Charakter fortführt, wenn es nun praktisch nur einen Film, gesplittet in drei Teile gibt.

Handwerklich einwandfreies und intelligentes Blockbuster-Kino, das andere Teenie-Fantasy-Franchise wie Harry Potter, Twilight oder Der Goldene Kompass um Längen schlägt. Dass dabei nicht gerade wenig von anderen Autoren abgekupfert wurde, kann man bei der gegebenen Qualität und dem Spaß, den der Film macht, großzügig übersehen.

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