Der König ist tot – lang lebe der König!

Während ich diese Worte schreibe, sitze ich gerade im Flieger zurück nach Deutschland, zurück nach zehneinhalb Monaten in Spanien. Bis diese Worte im World Wide Web lesbar sind, werden noch zwei, drei Woche vergehen. Dieses Mal will ich besser vorbereitet sein.

Ich bin unzufrieden. Unzufrieden, wie sich Mighty-Movies bislang entwickelt, mit Teilen des Designs, mit Teilen des Konzepts, vor allem aber mit dem Inhalt. Seit nun mehr knapp über einem Jahr. Immer, wenn ich mal zwei Wochen nichts zu tun habe, spielte ich mit dem Gedanken Tabula rasa zu machen, einfach alles zu lösche und nochmals von vorne beginnen.

Das mache ich jetzt. Ein sauberer Cut, ein Neuanfang. Beinahe. Mighty-Movies wird zwar weiter existieren und nicht offline genommen werden, jedoch in stark eingeschränktem Betrieb – böse Zungen mögen an dieser Stelle fragen, wie man denn den Betrieb überhaupt weiter einschränken kann. Allerdings wird diese Seite fast ausschließlich noch für diverse Community Elemente und gegebenenfalls für das ein oder andere kurze, plakative Statement genutzt.

Die richtigen Inhalte hingegen, werden künftig unter xsehu Films zu finden sein. Dort werde ich – oder zumindest hoffe ich das – meine Inhalte direkt vernünftig in einem Format und in einer Qualität, wie ich sie mir vorstelle, veröffentlichen. Was heißt aber richtig in diesem Kontext?

Erst mal das Niveau. Bei etwa zwei Dritteln der Beiträge hier bin ich damit hochgradig unzufrieden. Zu häufig Stückwerk ohne wirkliche Tiefe, flapsige Formulierungen, halbgare Argumente. Die Beiträge hier wurden direkt im Editor geschrieben und direkt anschließend veröffentlicht. Die künftigen Beiträge werden alle mit einer gewissen Zeit vorgeschrieben, Korrektur gelesen und erst, wenn sie einen gewissen Standard haben, veröffentlicht. Um das mal in Zahlen zu veranschaulichen: Ich werde jene Beiträge, die mir ansatzweise gefallen überarbeiten und in den neuen Blog übertragen. Dieser Artikel ist Artikel Nummer 196 auf dem Blog. Es werden elf Filmkritiken, eine Episodenkritik sowie die beiden Genre-Artikel nach und nach in xsehu Films eingearbeitet.

Zweitens, die Themen. Inhaltlich habe ich hier fast ausschließlich Film- und Episodenkritiken geschrieben. Deren Anteil wird etwas heruntergefahren, zu Gunsten von anderen Texten über das Medium Film im Allgemeinen. Hauptsächlich passiert dies, da ich diese Themen häufig interessanter finde und so auch persönlich etwas mehr herausziehen kann. Und die positive und überdurchschnittlich hohe Resonanz auf meine beiden Genre-Artikel bestätigt mich in dieser Ansicht. Außerdem gibt es tendenziell ein Überangebot an Filmkritiken im Netz, meistens reicht schon ein kurzer Blick auf IMDB oder Moviepilot um die generelle Stimmungslage zu erfahren.

Der dritte Punkt ist dann ein wenig zweifelhafterer Natur. Man kann mir vermutlich zu Recht vorwerfen, dass ich den Sinn und das Kernelement des Bloggens nicht verstanden habe. Aber ich sehe den informierenden Charakter an der absolut wichtigsten Stelle, den Persönlichen dagegen ziemlich weit hinten. Mighty-Movies wurde diesbezüglich nach und nach verwässert, bis zu einem Punkt, an dem Media-Mondays und Stöckchenspiele den Großteil der Beiträge ausmachen. xsehu Films wird daher nicht einen solchen Beitrag haben und einen professionelleren Charakter innehaben. Wie oben bereits gesagt, wird dieser Blog für Community-Aspekte und vermutlich auch für Meinungen und dergleichen weitergeführt, xsehu Films dagegen einzig inhaltliche Artikel innehaben.

Außerdem kommt jetzt Bewegung in das schon lange geplante Mighty-Netzwerk, wenn auch unter anderem Namen. Mein ursprünglicher Zweitblog wird zur kommenden Woche konsequent (wieder)belebt und zu einer Art Zentrale umfunktioniert. Hier habe ich mir zum Ziel gesetzt, das wöchentliche Wort zum Montag zu schreiben, ein Kommentar zu irgendeinem politischen oder gesellschaftlichen Ereignis, was mich praktischerweise dazu zwingt, die Nachrichten wieder aufmerksamer zu verfolgen. Außerdem wird es dort immer sonntags einen Rückblick geben, was auf anderen Seiten alles veröffentlicht wurde. Außerdem kommt dort noch alles hin, was sonst nirgends thematisch so ganz reinpassen will.

Neben xsehu Films startet heute auch ein zweiter Blog, der sich mit meinem zweitgrößten Zeitfresser beschäftigt. xsehu Sports (der erste Content und Design kommen heute Nacht) schreibt und berichtet über Fußball. Da der Sport deutlich weniger objektiv beurteilt werden kann und zu weiten Teilen auf Emotionen basiert, wird dieser viel subjektiver sein. Beiträge wird es über den deutschen und internationalen Profi-Fußball geben, wo meist auf aktuellere Ereignisse reagiert wird – im Verlauf der nächste Woche wird beispielsweise ein kurzes Schweinsteiger-Porträt kommen, ebenso wie ein paar Worte zum Stuttgarter Zweitliga-Start. Da ich aller Voraussicht nach Mitte Oktober meine alte Mannschaft in Mainz wieder übernehmen werde (inzwischen eine D-Jugend) kann ich mir auch vorstellen so ein wenig Tagebuchartig über die Arbeit als Amateur-Jugendtrainer zu schreiben.

Wofür ebenfalls genug Material vorhanden ist und was bis zum Spätsommer noch kommen wird, ist ein Blog mit (und ein wenig über) Fotographie. Hier hängt es noch ein wenig an der Plattform. Ich weiß noch nicht, inwiefern sich WordPress hierfür eignet und ob eine Seite wie z.B. Tumblr geeigneter ist.

Und zu guter Letzt schon mal als Ankündigung, auch wenn es hierfür definitiv noch nicht genug Geschriebenes gibt: Es wird noch eine weitere Seite geben, die sich mit Geschichten beschäftigt. Das heißt zum einen Rezension von Büchern, zum andern (the dream is still alive!) mit Selbstgeschriebenen.

Ja, ich weiß, dass das nicht unbedingt die klügste Vorgehensweise ist, dass ich mir durch verschiedene selber (unnötige) Konkurrenz mache und es auch klicktechnisch deutlich erfolgsversprechender wäre, einfach alles auf einer Seite zu belassen. Aber ich will alles einfach ein stückweit professioneller gestalten. Und dazu gehören auch klar abgesteckte, thematische Bereiche. Und im Endeffekt ist das alles auch ein Bauchgefühl.

Media Monday #265

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Seit einer halben Woche bin ich wieder in deutschen Gefilden, im alten Kinderzimmer bei meinen Eltern einquartiert. Dort habe ich eines meiner Lieblingsbücher erneut gelesen und bin dabei auf folgende Passage gestoßen – die eine meiner Meinung nach sehr gute Reaktion auf gewisse politische und gesellschaftliche Ereignisse der vergangenen Woche darstellt:

„Sie mögen vor langer Zeit über den Rand der Welt gefallen sein, John, aber für mich gilt das nicht. Noch nicht jedenfalls. Barmherzigkeit zu zeigen ist nicht naiv. Sich wider das Ende der Hoffnung zu behaupten ist nicht Dummheit oder Wahnsinn. Es ist fundamental menschlich. Natürlich ist das Kind dem Untergang geweiht. Wir alle sind dem Untergang geweiht; wir sind alle von Geburt an durch die Sternenfäule vergiftet. Das heißt nicht, dass wir wie Sie der verführerischen Irreführung der Verzweiflung erliegen sollten, der dunklen Strömung, die uns zu ertränken sucht. Sie halten mich vielleicht für dumm, Sie mögen mich einen Narren und einen Verrückten nennen, aber wenigstens stehe ich aufrecht in einer gefallenen Welt. Wenigstens bin ich noch nicht wie Sie vom Rand in den Abgrund gestürzt.“ (Rick Yancey)

Hier aber der Media Monday:

1. ____ muss man ja schon ein Auge zudrücken, aber ____ .

2. Klassischer Zeichentrick oder Animationsfilm? Zeichentrick.

3. Gerald McMorrow hat zwar bisher erst einen Filme gedreht, allerdings war Franklyn ein Volltrefer und einer meiner Lieblingsfilme.

4. Schade, dass die Pläne für ein neues Universal Monsters Universum nach Dracula Untold auf Eis gelegt worden zu sein scheinen.

5. Michael Bay hat ja so seine Momente, v.a. in seinen früheren Werken, aber im großen Ganzen bleibt sein filmisches Werk Schund. Wie ich auf ihn komme? Dank einem Podcast von Schlopsi und dem darin empfohlenen Verweis auf den Begriff Bayhem.

6. ____ ist/sind ja so (ein) typische(s) Klischee(s), ____ .

7. Zuletzt habe ich The Revennant gelesen und das war ziemlich intensiv, weil die über weite Strecken reale Geschichte in all ihrer realistik und der damit verbundenen Härte dargestellt wurde – ich muss endlich den Film nachholen.

Filmtagebuch: Juni 2016

Filmtagebuch

Juni 2016

Das Filmtagebuch – alles gesehenen Filme und Serien (Sitcoms ausgeklammert) im Juni mit einem kurzen Kommentar. Ohne Spoiler, aber mit Andeutungen. Die Bewertung erfolgt auf einer Punkteskala, wobei Serienepisoden keine halben Zwischenschritte haben und zu extremeren Wertungen neigen.

Game of Thrones S06E07 The Broken Man – 8/10 Punkte:
Das tiefe Luftholen vor dem Sprung. Es passiert wenig – sieht man von einer unnötigen Wiederbelebung und dem genialen Auftritt von Brynden ‚Blackfish‘ Tully ab und doch liegt eine große Spannung über dem Nichts. In den nächsten Episoden wird es krachen! 8/10

Game of Thrones S06E08 No One – 6/10 Punkte:
Möglicherweise die schwächste Game of Thrones Episode. Atmosphäre oder Spannung will erst am Ende von der Jagd auf Arya aufkommen. Der Arc um die Belagerung von Riverrun endet enttäuschend.

The Barefoot Contessa (R: Joseph L. Mankiewicz, USA 1954)  6,5/10 Punkte:
Irgendwie schafft The Barefoot Contessa es, über seinen vollständigen Zeitraum hinweg sehr interessant zu sein und trotzdem Langeweile zu verbreiten. Trotzdem verstrahlt er die großartige Aura des klassischen Hollywoods.

The Birds (R: Alfred Hitchcock, USA 1963) – 4,5/10 Punkte:
Eine generell schlecht gealterte Darstellungsweise, sowie v.a. ein überraschend schwaches Drehbuch samt großer Logiklöcher und enorm dumm agierender Protagonisten machen das großartige Konzept zunichte. Nach all den Vorschusslorbeeren eine herbe Enttäuschung.

Game of Thrones S06E09 Battle of the Bastards – 10/10 Punkte:
Klassisch für die Serie wird die vorletzte Folge zum Höhepunkt – soviel lässt sich bereits vor dem Staffelfinale sagen. Ästhetisch ein Genuss, spannend und kinoreif inszeniert. Dramaturgisch zwar ohne Überraschungen, aber mit gelungenem Abgang einer der Figuren.

North by Northwest (R: Alfred Hitchcock, USA 1959) – 7,5/10 Punkte:
Nicht, auch wenn oft so angepriesen, Hitchcocks größtes Meisterwerk, aber dennoch ein sehr guter Thriller, der mit seinen starken Dialogen glänzt.

House of Cards S01E01 Chapter I – 8/10 Punkte:
One Man Show eines verratenen und auf Rache dürstenden Kevin Spacey. Intelligente Unterhaltung und ein interessanter und realistischer Blick hinter politische Kulissen.

Brazil (R: Terry Gilliam, USA 1985) – 8/10 Punkte:
Gilliams Dystopie über eine vollständig durchbürokratisierte und herzlose Welt glänzt insbesondere durch ihren Kontrast zwischen

House M.D. S06E08 Teamwork – 7/10 Punkte:
Ein Höhepunkt der Intrigen des Dr. House. Der medizinische Fall wird zur Nebensache, Houses Manipulationen rücken einmal mehr ins Zentrum.

Game of Thrones S06E10 The Winds of Winter – 10/10 Punkte:
Still, beinahe sensibel, wird eine Bombe nach der andern hochgehen gelassen. Nicht überraschend, aber überaus dramatisch inszeniert und mit einem großartigen Soundtrack unterlegt.

Teenwolf (R: Rod Daniel, USA 1985) – 7/10 Punkte:
Gelungene Coming-of-Age Komödie der etwas anderen Art, die mit jeder einzelnen Pore 1980er Jahre schreit.

Kung Fu Hustle (R: Stephen Chow, CN 2004) – 6,5/10 Punkte:
Unterhaltsamer Trash, mit totaler Over-the-Top-Action.

Warcraft: The Beginning (R: Duncan Jones, CN/USA 2016)  7,5/10 Punkte:
Wenig innovatives, aber dennoch sehr unterhaltsames Fantasyspektakel mit einem angenehm und überraschend hohen Grad an Brutalität sowie einer gewissen Kompromisslosigkeit. Das Rad wird nicht neu erfunden, aber ein gelungener Beginn einer neuen Kino-Serie.

The Legend of Hercules (2014)

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The Legend of Hercules

The Legend of Hercules (R: Renny Harlin, USA 2014, 99min)

Ampel - Gelb

 Have you come to bring the wrath of Zeus upon me, boy?
(Amphitryon)

Inhalt: Der grausame, doch beinahe unbesiegbare Amphitryon unterwirft große Teile Griechenlands, als ihm von seiner Frau ein zweiter Sohn geboren wird. Doch es ist nicht sein Sohn, es ist der Sohn des Zeus – geboren mit dem Versprechen, die Tyrannei des Amphitryon zu beenden. Der Halbgott wächst im Schatten seines Bruders, den Erben des Reichs, auf, obwohl er diesen so deutlich überragt.

Kurz nachdem seine große Liebe Hebe Iphikles versprochen wird, befindet sich Herkules auf einer militärischen Mission gen Ägypten – ohne Aussicht auf Erfolg. In die Sklavenschaft verkauft und in Gladiatorenarenen gezwungen, schwört er Rache. Um Hebe aus den Klauen seines Bruders zu retten, um dem Land Frieden zu bringen und den Tyrannen zu stürzen und, um endlich seine Rolle als Sohn des Zeus einzunehmen.

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Rezension: Style over substance ist meist eine schlechte Idee. Es gibt Ausnahmen, ohne Zweifel, wenn tolle Bilder oder eine stilvolle Inszenierung über dünne Handlungen und Charaktere hinwegtrösten, Kingsman oder Scott Pilgrim wären hier zu nennen. Eine weitere Ausnahme, 300, hat zweierlei bewirkt: Ein gesteigertes Interesse am Historienfilm, ebenso wie eine gewisse Popularität einer besonders stillistischen Inszenierung. Zack Snyder gelang dabei, was seinem Nachfolger Noam Murro mit 300: Rise of an Empire verwehrt blieb: Trotz gigantischer narrativer Schwächen entstandt dank einer besonderen Bildsprache ein sehenswerter Film über die Schlacht an den Thermopylen.

The Legend of Hercules ist einer der Filme, die sich selber in die Nachfolge von 300 stellen wollen – und dabei grandios scheitern. Schon in den ersten Sekunden wird die Richtung offensichtlich. Regisseur Renny Harlin versucht sich in einem großen Actionspektakel, verlässt sich dabei aber zu sehr auf eine misslungene Bildästhetik.

mv5bmjm4mjk2nzm3nv5bml5banbnxkftztgwmdc2otg3mde-_v1__sx1078_sy478_Die Story bietet an sich einige durchaus interessante Aspekte. Ein Halbgott, der der Sklaverei entkommt um eine Rebellion gegen den tyrannischen König anzuführen – prinzipiell Stoff einer epischen Erzählung. Aber nur im Prinzip. Denn das Drehbuch wird vor allem durch die missratenen Charaktere ruiniert. Es gibt eine schwarz-weiß Zeichnung der einfachsten Art, der noble, heldenhafte Herkules und seine Freunde auf der einen Seite, der machtgierige und grausame König und sein wahnsinniger und schwacher Sohn auf der anderen Seite. Die Figuren verlieren sich – ebenso wie die komplette Handlung – so sehr in Stereotypen, dass kaum mehr als gähnende Langeweile übrig bleibt. Der Sandalenfilm bedarf keines komplexen Plots; The Legend of Hercules schrammt aber mit seinen dumm agierenden Charakteren, seinen überladenden Klischees und Logiklöchern an einer Beleidigung des Publikums vorbei. Man könte an dieser Stelle auch die Schauspieler kritisieren, doch es darf bezweifelt werden, ob bei einem solchen Drehbuch überhaupt eine bessere schauspielerische Interpretation der seichten Charaktere mögllich ist.

Was man dem Film zu Gute halten kann, ist, dass seine Figuren – soweit das bei Legenden und Sagen möglich ist – tatsächlich historisch verbürgt sind. Das ist dann aber bereits alles. Insbesondere, da die Darstellung der einzelnen Protagonisten der Überlieferung komplett zuwiderläuft. Die inkonsequente Nutzung der Namen aus römischer und griechischer Mythologie ist dabei noch das kleinste Problem. Weder der irdische Vater von Herkules noch sein Bruder waren dem Wahnsinn anheim gefallen oder vor Neid auf den Halbgott zerfressen, im Gegenteil, sie kämpften an seiner Seite. Auch die kurze Episode über den Kampf gegen den Nemeischen Löwen weiß zumindest bedingt zu überzeugen, wird aber – wie soviel anderes innerhalb des Films – unmittelbar durch die folgende Szene mit dem Eifersuchtsdrama Iphikles´ zunichte gemacht.

mv5bmtcxmdkymze4mv5bml5banbnxkftztgwmji1njq3mde-_v1__sx1078_sy478_Betrachtet man sich anschließend die Ästhetik des Films muss man sogar zum Schluss kommen, dass der inhaltliche Teil die starke Seite des Films ist. Wenige überzeugende Einstellungen sind durchaus vorhanden, diese werden aber unverzüglich durch weniger gute Ideen zerstört. Vollkommen deplatzierte Zeitlupen in einer selten gekannten Fülle vernichten immer wieder den Bilderstrom und werden an Peinlichkeit nur durch die merkwürdige Stilisierung und den Körperkult um Hercules übertroffen. Dazu kommt noch fehlender Mut während der zahlreichen, aber meist schlecht inszenierten Actionszenen. Eine drastischere und explizitere Darstellung von Gewalt hätte möglicherweise auf visueller Ebene noch einiges retten können, wurde aber zu Gunsten einer PG-13 Freigabe wieder verworfen. Und für einen Film, der eigentlich über seine Bilder kommen möchte – und der mit einem Budget von 70 Millionen ausgestattet war – sind die Visual Effects überraschend schlecht.

Fazit: In The Legend of Hercules passt leider gar nichts. Eine schlechte Handlung wird in beinahe experimentellen, aber absolut falsch gewählten Bildern via laienhafter Darsteller erzählt. Vieles erinnert an ein studentisches Projekt, bei denen die Gruppe das Glück hat, dass einer der Väter eine hochprofessionelle Filmausrüstung besitzt. Eine verpasste Chance und vergeudetes Potential.

COM: BUMM! KRAPUFF! BÄÄÄÄNG BÄÄÄNG!

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Anmerkung: Hab erst im Nachhinein gesehn, dass es sich ursprünglich um ein Gewinnspiel handelte und dass Frage 6 ein Lückentext war – entsprechend zwei Antworten von mir.

Zwischen Prüfungen und Strand mal wieder ein Lebenszeichen: Ein von Franzi via Moviepilot übermitteltes Stöckchenspiel – in aller Kürze:

1. Beschreibe das Genre Actionfilm in einem Wort!

Schnell.

2. Wer ist dein liebster Actionfilm-Regisseur?

Hier müsste man erstmal über die Genre-Grenzen sprechen – und hier sehe ich eigentlich schon das Action-Genre als solches nicht gegeben. Christopher Nolan und Sergio Leone sind so ziemlich meine liebsten Regisseure und die meisten Filme der beiden ließen sich meist auch als Action-Filme sehen, entsprechend würde ich noch am ehesten mit denen gehen. Oder Guy Ritchie!

3. Welche Filmexplosion hat deinen Subwoofer an seine Grenzen getrieben?

Der Sound der seismischen Bomben aus Star Wars Episode II: Attack of the Clones war recht geil.

4. Welche scheppernde Actionszene ging dir am meisten unter die Haut?

Den Angriff auf Pearl Harbor im gleichnamigen Film fand ich enorm heftig – es ist auch die einzige Szene, die mir in Erinnerung blieb; neben der etwas merkwürdigen Liebesbeziehung.

5. Welcher ist dein liebster Faustkampf im Film?

Robert Downey Jr. als Sherlock Holmes in Guy Ritchies actionreicher Adaption des Stoffs.

6.1 Bei „Hot Fuzz“ habe ich Lust auf mehr Actionfilme mit Schwänen und Miniaturdörfern bekommen.

Freut mich für den mir unbekannten Moviepiloten, der diese Fragen erstellt hat🙂 Hot Fuzz hat Spaß gemacht, von den zwei der drei Filmen der Cornetto-Trilogie, die ich gesehen habe aber der schlechteste – Shaun of the Dead war besser!

6.2 Bei Taken habe ich Lust auf mehr Actionfilme mit diesem kompromisslosen Stil bekommen.

7. Wer ist die beste One-(Wo)man-Army?

Der größte Krieger aller Zeiten: Achilleus!

Vom Genre II: Die Meta-Genres

Stirb Langsam (1988)
Die Hard

Filmgenres lassen sich dabei grob in jene einteilen, die über ihr Setting, ihre Handlung oder über eine transportierte Emotion funktionieren. Auch das Zielpublikum spielt eine gewisse Rolle. Ein Western kann nur in den Vereinigten Staaten im ausgehenden 19. Jahrhundert funktionieren, ebenso wie der Gangster-Film eines kriminellen Milieus bedarf. Für den Action-Film wiederrum ist es egal, ob Terroristen eine Weihnachtsfeier stürmen und die Frau eines Polizisten sich unter den Geiseln befindet oder ob Arbeiter einer Ölplattform eines Asteroiden zerstören müssen, ehe er die Erde erreicht. Es geht um den möglichst spektakulären Kampf Einzelner gegen eine verschiedengearteten Übermacht. Diese kann ein bösartiges Regime sein, ein Schurke der die Weltherrschaft anstrebt oder auch eine Naturkatastrophe sein. Und letztlich jene Filme, die in erster Linie den Zuschauer emotional zu manipulieren versuchen, wie der angsterzeugende Horrorfilm oder der fesselnde Thriller.  Ausnahmen, wie der Alpen-Western Das finstere Tal (R: Andreas Prochaska, DT/AU 2014), bestätigen die Regeln.

From Dusk Till Dawn
From Dusk till Dawn

Grenzen einzelner Genres sind fließend – nicht nur bei Filmen wie From Dusk Till Dawn (R: Quentin Tarantino, USA 1996), die bewusst auf halber Strecke ihr Genre wechseln. Alien (R: Ridley Scott, USA 1979) verschmelzt gekonnt Elemente aus Horror und Science Fiction-Film, The Godfather (R: Francis Ford Coppola, USA 1972) ist ein im Setting des Kriminalfilms angesiedeltes Familien-Melodram und Raiders of the Lost Ark (R: Steven Spielberg, USA 1981) vermischt den Abenteuerfilm mit Action und Fantasy. So ist es wenig verwunderlich, dass sich kaum ein Film eindeutig einem einzigen Genre zuordnen lässt.

Fließend ist aber nicht nur die Kategorisierung einzelner Filme, sondern auch die bloße Existenz einzelner Genres. Es gibt unzählige Subgenres und Stilrichtungen, bei denen unklar ist, ob sie überhaupt als eigenes (Sub)Genre verstanden werden dürfen. Berühmtestes Beispiel sollte die Diskussion sein, ob der Film noir ein eigenes Genre bildet, oder aber ob er lediglich ein filmischer Stil ist. Beispielsweise aber auch das Superheldenkino, das mit seinen festen Konventionen als eigenes Genre oder aber als Bestandteil des Science-Fiction-Kinos begriffen werden kann, ob der Anti-Kriegsfilm – bei dem bereits die Bezeichnung als Anti-Kriegsfilm zumindest fragwürdig ist – ein Ableger des Action-Films ist, oder andersrum, ob der Action-Film überhaupt existiert und nicht viel eher Auswirkung eines Stilmittels und eine bloße Erzählweise ist. Auch unterliegen die einzelnen Genres einem permanenten Wandel und neue Genres entstehen in großer Regelmäßigkeit.

In der Filmwissenschaft haben sich insgesamt zehn Meta-Genres herauskristallisiert, die aber zum einem in erster Linie ein theoretisches Konstrukt und in der Praxis in ihrer Reinform kaum erreichbar sind zum anderen auch nicht unumstritten sind. Diese Meta-Genres werden im Folgenden kurz dargestellt:

Winchester 73
Winchester 73

Der Western ist so ziemlich das am eindeutigsten zu identifizierende Genre. Er spielt im Nord-Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts und verhandelt den Ur-Konflikt zwischen Zivilisation und Wildnis, meist in Formeiner gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Farmern und Indianern oder Gesetzeshüter und marodierender Bandenmitglieder. Spielarten des klassischen Western finden sich beispielsweise im Italo-Western, im Indianerwestern oder im Neo-Western.

Im Musical werden die entscheidenden Konflikte des Films via Tanz und Gesang ausgetragen. Gewöhnlich bedient sich das Musical in seiner Handlung und seinem Setting bei anderen Genres, wie dem Melodrama, der Komödie oder dem Western.

Modern Times
Modern Times

Die Komödie versucht den Zuschauer zum Lachen zu bringen. Dieses Genre definiert sich ausschließlich über seine emotionale Wirkung und beinhaltet ein breitgefächertes Angebot an Schauplätzen und Figurenkonstellationen. Spielweisen der Komödie sind u.a. die Liebeskomödie, der Parodien, Slapstick-Komödien oder die Teenie-Komödie.

Der Liebesfilm erzählt von der Liebe zweier Protagonisten, die entgegen diverser Umstände und Widrigkeiten zu Stande kommt oder eben diesen widerstehen muss. Es existieren zwei grundlegend verschiedene Richtungen des Liebesfilms: Hat der Film einen heiteren und unterhaltsamen Charakter, so bezeichnet man ihn als Romanze, dominieren Fatalismus und Tragik wird vom Melodram gesprochen.

Im Abenteuerfilm werden große und epische Reisen und spannende Abenteuer erzählt. Dieser hat eine sehr große Spannweite und reicht vom Mantel- und Degenfilm über den Piraten- und Ritterfilm bis zum Roadmovie. Im Abenteuerfilm erfreuen sich Fantasy-Elemente einer zunehmenden Beliebtheit.

Lord of the Rings
The Lord of the Rings

Im Phantastischen Film tritt das Übernatürliche in drei verschiedenen Formen in Erscheinung: durch Technologie im Science-Fiction-Film, durch das Bedrohliche im Horror-Film und durch das Wunderbare im Fantasy-Film. Die Science-Fiction handelt von Zukunftsvisionen, sowohl technischer als auch dystopischer oder utopischer Art und von intergalaktischen Konflikten. Im Horror-Film werden die Urängste des Menschen durch den Einfall von Monstern und Geistern verhandelt, während im grundsätzlich positiv konnotierten Fantasy-Film Stoffe aus internationale Märchen, Sagen und Legenden neu erzählt werden.

Kriminalfilme handeln von Verbrechen und ihrer Aufklärung – aus Perspektive der Ermittler im Polizei- oder Detektivfilm, aus Perspektive der Täter im Gangsterfilm. Auch der Thriller mit seinen verschiedenen Spielarten ist meist im Kriminalfilm angesiedelt.

Saving Private Ryan
Saving Private Ryan

Auch der Kriegsfilm hat eine grundsätzliche Zweiteilung: Je nach ideologischer Ausrichtung wird er als Anti-Kriegsfilm oder als Propagandafilm bezeichnet. Weitere Perspektiven werden im Söldnerfilm, dem Kriegsabenteuer oder auch dem Gefangenenlagerfilm hinzugefügt. Der Kriegsfilm thematisiert, wie der Name schon sagt, Kriegshandlungen aus unterschiedlichen Epochen.

Der Erotische Film ist das zweite Meta-Genre, das sich über seine emotionale Intention definiert. Er handelt von der Darstellung und Erzeugung sexuellen Begehrens. Sie sind entweder implizit, wie im Erotikthriller und nähern sich häufig dem Melodram an, oder explizit in Hardcore- und pornographischen Filmen.

Im Kinder- und Jugendfilm werden andere Genres für die jeweilige Zielgruppe adaptiert. Viele Animationsfilme sind auf ein jüngeres Publikum ausgelegt, ebenso wie zahlreiche Komödien und Coming-of-Age-Filme. In jüngerer Vergangenheit erfreute sich der auf ein jugendliches Zielpublikum ausgelegte Science-Fiction-Film einer immer größeren Beliebtheit.

< Part I: Repetition und Variation – Part III: Abgrenzungen des Genrekino >

Vom Genre I: Repetition und Wiederholung

Spiel mir das Lied vom Tod
C’era una volta il West

Hollywoods Erfolg basiert auf einem einfachen Konzept von Repetition und Variation. Im Laufe der Zeit haben sich verschiedene Grunderzählungen herausgebildet, anhand derer sich folgende Filme sehr stark orientieren. Little Caesar (R: Mervyn LeRoy, USA 1931) war Anfang der 1930er Jahre ein Riesenerfolg und innerhalb kürzester Zeit entstanden zahlreiche Filme über den Aufstieg und Fall eines Gangsters. The Public Enemy (R: William A. Wellman, USA 1931) und Hawks Scarface (R: Howard Hawks, USA 1932), beides heute als Klassiker verstanden, folgten neben vielen anderen nicht nur den Grundzügen der Story, sondern teilten auch die Stilistik und Bildsprache mit einer bis dato nicht gekannten Darstellung von Gewalt. Die 1950er Jahre kannten, auch in Folge des Roswell-Zwischenfalls und der allgegenwärtigen Angst vor der roten Gefahr, eine Menge Alien-Filme, in denen die Erde von Außerirdischen besucht wird. The Day the Earth Stood Still (R: Robert Wise, USA 1951) war einer der ersten dieser Zeit, der das Genre, v.a. auch die Tongestaltung, bis heute prägt. Wichtig war auch The Thing from Another World (R: Howard Hawks, USA 1951) sowie eine Reihe weiterer Filme, in denen gestaltwandelnde außerirdische Lebensformen die Menschheit bedrohen. Dieser Struktur folgt unter anderem Invasion of the Body Snatchers (Don Siegel, USA 1956), der heute als einer der besten SciFi-Filme aller Zeiten gilt. Und in den 2000er Jahren darf der Erfolg von Sam Raimis Spiderman-Trilogie (R: Sam Raimi, USA 2002-2007) als Grundlage für die Dominanz des Superheldenkinos angesehen werden.

Das Cabinet des Dr. Caligari
Das Cabinet des Dr. Caligari

Selbstverständlich ist diese Vorgehensweise nicht auf Amerika beschränkt. Sergio Leones Per un pugno di dollari (Für eine Handvoll Dollar, R: Sergio Leone, IT/ES/DT 1964) erschuf das Genre des Italo-Western und machte Clint Eastwood zum Star. Der innerhalb Japans seinerzeit als mittelmäßig angesehene Rashomon (R: Akira Kurosawa, JP 1950) von Akira Kurosawa lenkte die Aufmerksamkeit erstmals nach Fernost und in Deutschland prägte Das Cabinet des Dr. Caligari (R: Robert Wiene, DT 1920) wie kein anderer den expressionistischen Film, an dem sich beispielsweise Nosferatu, eine Symphonie des Grauens (R: Friedrich W. Murnau, DT 1922) oder später auch der vollständige Film noir orientierte.

 

Es lässt sich hierbei eine gewisse Struktur feststellen. Vereinfacht gesagt gibt es eine Idee, auf narrativer oder stilistischer Ebene. Diese Idee muss nicht zwangsläufig neu sein, aber erfolgreich. Anschließend werden zahlreiche Nachahmer diese Grundidee kopieren, aber einige kleinere oder größere Änderungen vornehmen. Diese Idee wird nun in allen erdenklichen Versionen durchgespielt, bis der Stoff ermüdet ist, das Publikum gesättigt ist und diese Idee wegstirbt oder von einer neuen auftauchenden Idee überstrahlt wird. So oder so ähnlich entstehen Zyklen und kleine Epochen des Kinos, so oder so ähnlich darf man sich die Geburt des Genres vorstellen.

Was genau ist aber dieses Genre? Das Lexikon der Filmbegriffe bezeichnet dieses als „Sets kultureller Konventionen“, die als „historisch entstandene kodifizierte Institution der Filmkultur im Sinne einer regulierenden Beziehung zwischen Produzent und Rezipient aufgefasst“ werden kann. Das heißt, ein Genre ist im Prinzip kaum mehr als ein mündlicher Vertrag zwischen Filmschaffenden und Filmschauenden über den Inhalt des jeweiligen Films. Der Zuschauer kann sich aufgrund des Genres einen Film aussuchen und hat bereits vor der Sichtung eine grobe Vorstellung über die Handlung und was er erwarten darf.

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She´s Out of My League

Dies läuft insbesondere über ein gewisses Set an Standardsituationen, sowie über das Setting ab. Der Western-Zuschauer darf sich auf eine Kneipenschlägerei und den großinszenierten Shootout freuen, in der Romcom wird er sie oder sie ihn nach anfänglichen Schwierigkeiten, üblicherweise im letzten Moment ehe er oder sie ein öffentliches Verkehrsmittel besteigen kann, doch noch bekommen und ein Historienfilm wird eher nicht während des 21. Jahrhunderts spielen. Allgemeingültige Erzählkonventionen wie die Dreiteilung der Akte, die beliebte Last-Second-Rescue oder der Antagonist als absoluter Tyrann im Rahmen seiner Möglichkeiten, erhalten auf diese Weise eine weitere Präzisierung.

Solche Standardsituationen hat jedes Genre parat. Sie funktionieren zugleich wie Werkzeuge oder Zutaten. Wie bereits gesagt, ein Blick auf das Genre-Rezept lässt dem Publikum bereits eine Vorstellung über die Bestandteile der filmischen Kost. Sie sind aber auch dem Regisseur und Produzenten ein großes Hilfsmittel, da er ein bestimmtes Repertoire hat, auf das er zurückgreifen kann und von dem er weiß, dass es bei dem geneigten Zuschauer – und jeder Genre-Zuschauer ist ein solcher – grundsätzlich wohlwollend aufgenommen wird.

Nehmen wir als Beispiel einen Western. Insbesondere der Western zeichnet sich durch ganz gewisse Handlungsstränge, durch ein auf wenige Jahre festgelegten zeitlichen Rahmen – samt deren historischen Begebenheiten – und auf ein räumliches Setting fest. Jeder Fünf-Jährige ist in der Lage, nach einer maximal halbstündigen theoretischen Einweisung einen Genre-Film zu drehen, der als Western funktioniert. Er wird einfach einen rechtschaffenden Sheriff in eine nordamerikanische Stadt – nennen wir sie Hadleyville – setzen, und zwar in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ein paar Schurken, die eine persönliche Fehde mit dem Sheriff am Laufen haben kommen schon bald in die Stadt. Der Sheriff wird heldenhaft die Gelegenheit zur Flucht verstreichen lassen, um sich der Übermacht entgegenzustellen und Recht und Ordnung aufrechterhalten. Er wird die neu entdeckte Eisenbahn gleichzeitig als Transportmittel für die Ankunft der Schurken, als auch potentiellen Ausweg benutzen – schließlich ist der Zug ein sehr erfolgreich dramatisierendes Element des Western. Er wird auch eine kurze, aber heftige Schlägerei in einem Saloon drehen lassen und kurz danach kommt es zum Finale. Die Helfershelfer werden schnell zur Strecke gebracht, ehe der Anführer der Ganovenbande im finalen Shootout tödlich getroffen wird und unser Sheriff, stellvertretend für die ordnenden Kräfte der Zivilisation, schließlich trotz aller Widerstände gegen die aufkommende Wildnis gewinnen wird.

Und anschließend wird sich unser Regisseur-Talent auch nicht mit Plagiatsvorwürfen herumschlagen müssen, weil er gerade das Konzept von Fred Zinnemanns High Noon (R: Fred Zinnemann, USA 1952) in seinen Grundzügen kopiert hat. Laut Frank Gruber, Autor und Drehbuchschreiber, hat der Western lediglich sieben verschiedene Plots. High Noon, wie unzählige andere, folgt dem Archetyp der Marshal story. Und hier kommt der gute Regisseur ins Spiel. Denn dieser macht aus der Summe deutlich mehr als seine Einzelteile. Zinnemann reiht nicht nur die obigen Standardsituationen aneinander, er erweitert sie mit grundlegenden menschlichen und psychologischen Konflikten. So wird High Noon zu einer Geschichte um falsche Loyalität, um Verrat und Undankbarkeit, um Isolierung und Vereinsamung.

Campbell HeldenreiseOhnehin gibt es – ich denke da an Joseph Campbells Heldenreise – kaum mehr als eine Handvoll unterschiedlicher Erzählungen auf dieser Welt; wenn man diese denn abstrakt genug betrachtet. Will man dieses Spiel auf die Spitze treiben, könnte man sagen, der Mensch kenne nur eine Geschichte, nämlich Gut gegen Böse – man hätte damit zumindest nicht Unrecht. Eine solche Perspektive ist aber alles andere als förderlich und hilft nicht weiter. Und bei einer werknäheren und weniger abstrakten Betrachtung trifft man dennoch auf immer wieder wiederholte Erzählungen (Repetition), die sich in ihren Details unterscheiden (Variation). Wiederholung und Veränderung sind die ältesten und wichtigsten Erzählstrategien der Menschheit.

Um aber wieder auf das Genrekino zurückzukommen: Knut Hickethier teilte den Prozess der Genre-Erschaffung – nichts anderes ist obiger Vorgang – in vier Phasen ein, nämlich Entstehung, Stabilisierung, Erschöpfung und Neubildung. Die erste Phase, die Entstehung, wurde hier bereits thematisiert. Ein sehr erfolgreicher und beliebter Film bzw. eine Gruppe an Filmen wird so häufig kopiert, bis eine reproduzierbare Mischung an Thema, Motiven und Archetypen gefunden wurde. In der Stabilisierungsphase werden immer neue Varianten des Genre-Schemas hervorgebracht, ehe schließlich in der Erschöpfungsphase der Markt gesättigt ist und das Publikum das bekannte Muster nicht mehr akzeptiert. Neue Varianten werden nicht mehr angenommen und das Genre liegt brach. Durch einen oder mehrere überraschende Erfolge wird das Genre letztlich neu belebt. Mittels einer neuen Mischung, d.h. neu entstandener Genresynkretismen, durch aktualisierte Stilmittel oder schlicht und ergreifend durch ein Retrophänomen kommt es so zu einer Neubildung.

Ein sich wiederholender Kreislauf.

Part II: Die Meta-Genres >

Where we're going we don't need roads!

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