The Big Short (2015)

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The Big Short

The Big Short (R: Adam McKay, US 2015, 131min)

Truth is like poetry. And most people fucking hate poetry.
(Overheard at a Washington, D.C. bar)

2008 stürzte die Welt in eine globale Wirtschaftskrise. Auslöser waren Spekulationen am Finanzmarkt ohne entsprechende Gegenwerte und eine gigantische Blase auf dem amerikanischen Imobilienmarkt. Die Krise traf die Finanzmärkte unerwartet, unvorbereitet – nur eine handvoll Männer sah es kommen.

Ein heikles Thema, ein vor allem äußerst kompliziertes Thema. Entsprechend sind solche Filme immer eine Gratwanderung. The Big Short muss eine äußerst anspruchsvolle Thematik verarbeiten – eine Unmöglichkeit ohne gewisse Niveau-Standards -, darf dabei aber die Gesetzmäßigkeiten der filmischen Erzählweise nicht außer acht lassen und muss zu Gunsten von Spannung und Erzählfluß an Komplexität abbauen. Wirtschaftliche und juristische Fachbegriffe werden gekonnt und unterhaltsam, meist mittels kurzer Cameoauftritte erklärt. Eine eindeutige Spannungskurve mag aber nicht so recht aufkommen, dramaturgisch bleibt vieles Stückwerk.

Das ist der Figurenkonstellation mit einem breiten Spektrum an Charakteren, die sich niemals begegnen, und einem fehlenden eindeutigen Protagonisten geschuldet. Schließlich kristallisiert sich zwar insbesondere Steven Carell als zentrale Figur mit der meisten Screentime heraus, doch bleibt die kommende Krise die eigentliche Hauptperson. Der namhafte Cast liefert eine grandiose Leistung, insbesondere Steve Carell und Brad Pitt stechen mit ihren weltverdrossenen Figuren heraus. Auch stilistisch schweift The Big Short regelmäßig ab, zeigt immer wieder kurze Clips und Einstellungen des popkulturellen Lebens.

Herausragendes Merkmal von The Big Short ist seine Meta-Ebene. Der Film zelebriert das Spiel mit der vierten Wand, treibt es regelrecht auf die Spitze. Da wird nicht nur der Zuschauer direkt angesprochen, die Handlung kommentiert und mit ihm kommuniziert, da wird ihm offen die Lüge zur Dramatisierung gestanden. Interessanterweise gewinnt The Big Short so ein großes Maß an Authentizität. Teilen die Protagonisten mit, der Part entspreche der Wahrheit, so wird dies ohne hinterfragen akzeptiert – wieso denn auch nicht?

Äußerst interessant ist auch der Kontrast zwischen vermittelter Atmosphäre und Inhalt. The Big Short wirkt lange wie ein Good-Feel-Movie, manipuliert den Zuschauer darauf zu hoffen, die Weltwirtschaft möge endlich zusammenbrechen. Dieser Kontrast wirkt auch auf einer anderen Ebene. Sympathieträger sind eine handvoll Außerwählter mit genug finanziellem Spielraum um Wetten und Investitionen in Millionenhöhe abzuschließen. Mag sein, dass sie ins Risiko gehen, dass ihnen der finanzielle Ruin droht, sollte ihre Spekulation scheitern – und doch ist deren Schicksal ungleich leichter, als das der Millionen oder gar Milliarden anderer.  McKay bewegt sich meist in der Welt der Reichen, der Börsenmakler und Bankiers. Einzelschicksale des kleinen Mannes werden nur am Rande, nur kurz angesprochen.

So kommt es wenig überraschend, dass sich The Big Short schwerlich einem einzelnen Genre zuordnen lässt. Lange Zeit wie eine Komödie mit einem enorm zynischen Unterton konzipiert, wird insbesondere das Ende dramatisch. Dazwischen finden sich immer wieder Elemente des Dokumentarfilms.

Letztlich ist The Big Short nicht nur durch die gesellschaftlich enorm relevanten Handlung, sondern auch durch ihre filmische Umsetzung und dem Umgang mit dem Medium ein würdiger Oscar-Vertreter.

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