„Mein Name ist Kenobi. Obi-Wan Kenobi“

Ewan McGregor

Er hat nein gesagt. Nein zu einem pervers großen Fernseher. Nein zu elektrischen Dosenöffnern. Nein zum ja-sagen. Und nein zu James Bond. Angeblich. Weil seine künftige Karriere nicht auf eine Rolle beschränkt sein sollte. Und so erhielt ein haudrauffreudiger blonder Engländer statt dem charmanten Schotten die Lizenz zum Töten. Und der zweimalige Schulabrecher wahrte seine eigene, kleine und doch große Identität.
Dabei schien Ewan McGregor geradezu prädestiniert für die Rolle eines gefeierten Stars. Eine lockere Natürlichkeit hob ihn ab von der breiten Masse, dazu grandioses Talent und dieses gewisse, schelmische Etwas dass schon Harrison Ford berühmt werden ließ. Doch nach dem vermeintlichen Durchbruch als drogensüchtiger Junkie in Trainspotting(1996) lebte er lieber ungewöhnlich und verdingte sich in diversen Independentproduktionen, ehe er in die großen Fußstapfen des Alec Guinness trat, um dem Krieg der Sterne beizuwohnen. Die Macht war dabei mit ihm. Wenig überraschend, wurde sie ihm doch schon in die Wiege gelegt, von Onkel Denis Lawson aka Wedge Antilles, maßgeblich beteiligt an der Zerstörung zweier Todessterne. Parallel zu den galaktischen Schlachten war McGregor in Pariser Nachtklubs unterwegs, stürzte in Somalia mit einem Kampfhubschrauber ab und führte einen Klon-Aufstand an. Ehe es wieder ruhiger um ihn wurde.

Zwischendurch ging es mit Kollege Charley Boorman auf dem Motorrad von rechts nach links und von oben nach unten, quer über beinahe den ganzen Erdball, er spielte wieder Theater und trat in zahlreichen kleineren Filmen auf. Dabei bewies McGregor eine unglaubliche Wandelbarkeit, es gelang ihm nahezu ohne Qualitätsverlust verschiedenste Rollen zu spielen. Sei es ein zahlenliebender Nerd in Deception, ein verzweifelter Bruder in Cassandras Dream, ein trashiger Ritter mit hochgegeltem Haar, Brosnans Ghostwriter, Carreys Liebhaber, Clooneys ziegenanstarrender Begleiter. Es gibt kaum eine Rolle, die er noch nicht hatte.

Doch genau dieser Hang zum Kleinen, zum Unbekannten und Neuem, der Verzicht auf die ganz großen Filme führt wieder zurück zum MI6, zum Ausstieg aus den Gesprächen für seiner Majestät tödlichstem Agenten. Denn für das Mainstreampublikum wird der Name Ewan McGregor zwar nicht mit James Bond in Verbindung gebracht werden, doch bleibt nun eine andere Rolle an ihm haften. Nicht Renton, oder Edward Bloom, nicht Sam Foster oder Michael oder Kenneth. Nein. Ewan McGregor ist Kenobi. Obi-Wan Kenobi.
Und einer der ganz Großen seines Fachs.

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5 Kommentare zu “„Mein Name ist Kenobi. Obi-Wan Kenobi“”

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